Symbolbild Eilender Businessmann und Geld

Einige große Unternehmen in OWL produzieren weiter in Russland

Stand: 26.04.2022, 07:33 Uhr

Viele Unternehmen haben sich aus Putins Reich verabschiedet. Aber nicht alle - und dafür werden sie auch kritisiert.

Von Uwe Pollmann

Viele deutsche Unternehmen haben sich aus dem Russland-Geschäft verabschiedet oder es auf Eis gelegt – aber nicht alle. Einige auch große Firmen aus OWL arbeiten nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine weiter an ihren russischen Standorten. Manche fühlen sich dafür zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Deutsche Unternehmen auf Liste der Schande

Seit einigen Wochen führt Management-Professor Jeffrey Sonnenfeld von der Yale-University eine sogenannte Liste der Schande ("Hall of Shame") mit Namen von Unternehmen weltweit. Auch Storck aus dem ostwestfälischen Halle ist darauf. Der Grund: der Süßwarenhersteller lasse weiter in Russland arbeiten. Auch viele andere deutsche Firmen und Konzerne wie Metro oder Liebherr stehen darauf (Stand 25.4.22).

Doch Storck in Halle fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt, spricht von einer "falschen Zuordnung von Storck". Die Liste solle wohl zeigen, dass die Firma "business as usual" betreibe: "Das ist grob falsch", teilt ein Sprecher mit. Allerdings will man "vorerst nicht öffentlich konkreter Stellung nehmen". "Wir können gegenwärtig nicht absehen, wie es in Bezug auf Russland weitergehen könnte."

Wie Storck sind auch weitere Unternehmen bisher noch in Russland tätig. Der Landmaschinenhersteller Claas aus Harsewinkel betreibt ein Werk in Krasnodar, in dem die Produktion allerdings ausgesetzt ist. Man überlege, sich zu verabschieden, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Entscheidung lasse sich aber jetzt nicht treffen.

Gehen oder bleiben: Deutsche Unternehmen in Russland

WDR 5 Profit - aktuell 20.04.2022 05:05 Min. Verfügbar bis 20.04.2023 WDR 5


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Geschäftsaufgabe ist auch „schmerzhaft“

Auch Bertelsmann ist mit dem Unternehmensbereich Arvato weiterhin in Putins Reich präsent. Zwar wurden die Geschäfte "auf ein notwendiges Minimum heruntergefahren". Aber weiter ausgeliefert wird "insbesondere im Pharmabereich", teilt der Konzern mit: "Das Geschäftsvolumen hat sich inzwischen um ca. 80 Prozent reduziert." Zu Jahresbeginn hatte Arvato dort 2.000 Mitarbeitende, von über 400 Leasingkräften hat man sich getrennt.

Einen harten Schnitt haben dagegen andere Unternehmen vollzogen: Maschinenhersteller DMG Mori (Bielefeld) hat alle Geschäfte gestoppt, Melitta (Minden) ebenso. Dr. Oetker zieht sich wegen des russischen Angriffskriegs ganz aus Russland zurück und verkauft sein Werk dort. Ebenso will es der Softwarekonzern NTT Data (Bielefeld), weltweit über 12.000 Mitarbeitende, machen. "Das ist schon ein Schaden und schmerzhaft", sagt Konzernchef Norbert Rotter. "Aber ein klarer Cut."

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Monitor 03.03.2022 07:05 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 Das Erste Von Jan Schmitt, Véronique Gantenberg, Jakob Faust

Russland-Geschäft „für viele Jahre tot“

Nicht wenige Wirtschaftsvertreter gehen mittlerweile ohnehin davon aus, dass sich das Geschäft mit Russland moralisch, aber auch betriebswirtschaftlich nicht mehr lohnt. Der Markt ist "für viele Jahre tot", sagt Andreas Henkel von der Industrie- und Handelskammer Lippe. Über 100 Unternehmen aus Lippe hätten mit Russland bisher Geschäfte gemacht, so Henkel. Das könne für lange Zeit vorbei sein: "Das wird uns durchaus hart treffen. Zumindest eine ganze Reihe von lippischen Unternehmen." Denn noch sei man auch abhängig von Energie und Rohstoffen.

Über dieses Thema berichtet die Lokalzeit am 26.4.2022 im WDR Radio.