OWL will Vorreiter beim Wasserstoff werden

Anna Katharina Bölling (Landrätin Minden-Lübbecke), Martin Hübner (Kreis Paderborn), Jürgen Müller (Kreis Herford), Klaus Schumacher (Kreis Höxter), Ute Röder (Lippe), Sven-Georg Adenauer (Kreis GT), Corinna Horstmeier (Stadt BI), Axel Lehmann (Lippe)

OWL will Vorreiter beim Wasserstoff werden

Von Jens-Olaf Buhrdorf

Ostwestfalen-Lippe soll Vorreiter in Sachen "grüner" Wasserstoff werden. Das Ziel: Ausreichend Wasserstoff in OWL für OWL herzustellen - vor allem für Lkw, Busse und Müllwagen.

An der Müllverbrennungsanlage Bielefeld soll der erste Wasserstoff in OWL für den Schwerlastverkehr hergestellt werden. Wasserstoff-Laster und Busse könnten dort schon Ende 2022 tanken. Eine weitere Elektrolyse-Anlage zur Herstellung von Wasserstoff könnte in Horn-Bad Meinberg auf dem Gelände des dortigen Restholz-Kraftwerks entstehen.

Vorerst sind vier Tankstellen geplant. Je eine in Bad Oeynhausen/Porta Westfalica, in Bielefeld, in Lippe und in Paderborn. Später sollen auch die Kreise Herford, Gütersloh und Höxter eine Wasserstoff-Tankstelle bekommen. Standorte sind in der Nähe der Autobahnen oder auch in Stadtzentren.

Fraunhofer-Institut: Großer Wasserstoff-Bedarf in OWL

6.500 Tonnen Wasserstoff am Tag: Soviel könnten potentielle Abnehmer benötigen. 80 Unternehmen haben nach Angaben des Fraunhofer-Instituts großes Interesse gezeigt. Dafür würden zum Beispiel Speditionsunternehmen ihren Fuhrpark umstellen und Verkehrsunternehmen Wasserstoff-Busse kaufen.

Doch hier hakt es noch: Nur wenige Hersteller können diese Fahrzeuge liefern. Wasserstoff-Sattelschlepper und die im Stadtverkehr benötigten Gelenkbusse mit H2-Antrieb gibt es auf dem Markt noch gar nicht.

Alle Kreise in OWL dabei

Die Kreis Lippe und Minden-Lübbecke und die Stadt Bielefeld waren schon 2020 begeistert und bekamen für ihr Wasserstoff-Projekt 300.000 Euro Förderung vom Bundesverkehrsministerium. Seit Februar 2021 sind jetzt auch alle anderen Kreise in OWL dabei.

Sie unterschrieben am Freitag eine gemeinsame Erklärung zum Aufbau einer Wasserstoff-Modellregion. Bei der Erzeugung, Speicherung, Verteilung und Anwendung will man zusammenarbeiten. So könnten Gelder für die Umsetzung weiterer Projekte an Land gezogen werden.

Landrat Adenauer: "Wasserstoff ist sexy"

Güterslohs Landrat Sven-Georg Adenauer: "Jeder Kreis für sich allein ist zu klein für ein solches Projekt. Unternehmen wie Miele, Storck und Claas haben einen großen Energiehunger." Wann immer er mit Firmen spräche, hörte er: "Wasserstoff ist sexy!"

Nur "grüner" Wasserstoff aus OWL

Wichtig ist den Projektteilnehmern: In OWL soll ausschließlich "grüner" Wasserstoff hergestellt werden. Die großen Energiemengen, die bei der Herstellung von Wasserstoff benötigt werden, sollen aus regenerativen Energiequellen kommen.

Also zum Beispiel aus Photovoltaik, Windenergie oder der Verbrennung von Restholz oder Abfall. Das spart Kosten. Denn noch ist Wasserstoff zehn Mal so teuer wie Diesel-Kraftstoff.

Stand: 08.10.2021, 15:13