OWL ist Anziehungspunkt für die rechte Szene

Demonstration der rechtsextremistischen Partei "Die Rechte" für die wegen Volksverhetzung inhaftierte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck in Bielefeld

OWL ist Anziehungspunkt für die rechte Szene

Von Oliver Jürgens

Hermannsdenkmal, Externsteine, Wewelsburg – seit Jahrzehnten sind sie Kultstätten der rechtsextremen Szene. OWL hat offenbar besonders für die völkische Bewegung immer noch eine hohe Anziehungskraft.

Hermannsdenkmal, Externsteine, Wewelsburg – seit Jahrzehnten Kultstätten für Rechtsextreme. Und immer noch fühlt sich vor allem die völkische Bewegung in Ostwestfalen-Lippe wohl.

An diesem Wochenende (09.11.2019) treffen sich in Bielefeld wieder rechte Kader aus ganz Deutschland. Anlass ist der 91. Geburtstag der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck aus Vlotho, die in Bielefeld wegen Volksverhetzung im Gefängnis sitzt. "Ursula Haverbeck hat einen Kultstatus in der rechten Szene", sagt die Rechtsextremismusexpertin und Journalistin Andrea Röpke.

Völkische Szene tief in OWL verwurzelt

Auf den bisherigen Demonstrationen für Haverbeck waren unter anderem auch Familien aus Detmold und Horn-Bad Meinberg zu sehen.

Sie gehörten der 2009 verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend", kurz HDJ, an. In Detmold-Berlebeck organisierten sie Lager und unterzogen dort Kinder und Jugendliche soldatischem und ideologischem Drill.

Aktivitäten gehen weiter

Trotz Verbots sind die ehemaligen HDJ-Mitglieder weiter aktiv. Dem nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz sind Treffen bekannt, an denen mehr als 20 Kinder teilgenommen haben. Es lägen aber keine belastbaren Hinweise darauf vor, dass es sich um Nachfolgebestrebungen der HDJ handelten, schreibt der Verfassungsschutz dem WDR. Rechtsextremismusexpertin Andrea Röpke sieht das anders. "Wenn der ehemalige Einsatzführer der HDJ seine Arbeit weitermacht und Nazis aus der ganzen Region ihre Kinder dorthin bringen, dann ist das eine intensive Überprüfung wert."

"Von der Wiege bis zur Bahre"

Eingang der "Ahnenstätte"

Eingang der "Ahnenstätte"

Wichtig für Mitglieder von rassistischen und antisemitischen Glaubensgemeinschaften wie dem "Bund der Gotterkenntnis (Ludendorf)" und der vom Verfassungsschutz beobachteten neonazistischen "Artgemeinschaft“ sind nicht-religiöse Friedhöfe wie zum Beispiel die Ahnenstätte Seelenfeld in Petershagen.

Die völkische Szene lebe nach dem Motto "von der Wiege bis zur Bahre", sagt Rechtsextremismusexpertin Andrea Röpke. Die Region wirke magisch auf die Szene.

Burschenschaft mit Kontakt zur "Identitären Bewegung"

Eine wichtige Funktion, um rechte Ideologien zu verbreiten, übernimmt auch die Burschenschaft "Normannia Nibelungen" in Bielefeld. Mehrmals haben hier bereits bekannte Personen der Neuen Rechten gesprochen. Darunter auch Martin Sellner, das Gesicht der "Identitären" in Österreich. Im kommenden Februar sollen Vertreter einer Hilfsorganisation sprechen, bei der es um eine Unterorganisation der vom Verfassungsschutz beobachteten rechtsextremistischen "Identitären Bewegung" handelt.

Rechte agieren von Dortmund aus

Ein Sammelbecken für viele aus der Szene ist die Partei "Die Rechte". Nach dem Wegzug des Landesvorsitzenden Sascha Krolzig von Bielefeld nach Dortmund werden die Aktionen in OWL hauptsächlich von Dortmund aus organisiert, sagt Janine Tappe von der "Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus" in Herford.

Rechtsextremismus in OWL in Zahlen (Quelle: Staatsschutz Bielefeld):

30 bis 40 aktionsbereite rechte Personen

2.000 Personen mit rechtsextremer politischer Meinung

263 Reichsbürger und 182 Personen, die mit der Szene sympathisieren

302 rechtsextreme Straftaten im Jahr 2018, davon 15 Gewaltdelikte und 197 Propagandadelikte wie das Zeigen von Hakenkreuzen

59 Hasspostings im Internet

Kultstätten der rechten Szene in OWL

Das Hermannsdenkmal, die Externsteine und die Wewelsburg gelten in der rechten Szene als Kultorte. Immer wieder werden sie zu Propagandazwecken missbraucht. Im Januar 2019 traf sich nach Angaben des NRW-Innenministeriums eine einstellige Zahl von Mitgliedern der rechtsextremistischen Gruppierung "Combat 18" am Hermannsdenkmal und zeigten Plakate mit der Forderung "Freiheit für unsere Inhaftierten Brüder".

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Ähnliche Bilder existieren auch von den Externsteinen. Der mutmaßliche Attentäter des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke soll Kontakte zu "Combat 18" gehabt haben. Im vergangenen Jahr tauchte ein Video von der Wewelsburg auf. Darauf posiert eine vermummte Person der rechten Organisation "Atomwaffen Division". Unklar ist, ob das Foto eine Montage ist.

Stand: 05.11.2019, 16:24