Protest gegen Krieg und Atomkraft: Ostermärsche in NRW

Stand: 15.04.2022, 20:03 Uhr

Mit Protesten gegen die Urananreicherungsanlage und den Ukraine-Krieg haben am Karfreitag im westfälischen Gronau die diesjährigen Ostermärsche in Nordrhein-Westfalen begonnen.

Bei der Auftaktkundgebung solidarisierten sich die rund 200 Ostermarschierer mit der ukrainischen Bevölkerung und verurteilten den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, der sofort beendet werden müsse. Außerdem forderten sie die Stilllegung der Atomanlage in Gronau und der Zentrifugenentwicklung in Jülich, wo sich etwa 25 Menschen an einer Mahnwache beteiligten.

Die äußeren Bedingungen machen diese 60 Jahre alte Demonstrationskultur sehr aktuell: da ist der brutale russische Angriffskrieg in der Ukraine, die Bundeswehr soll mit 100 Milliarden Euro aufgerüstet werden, zahlreiche Länder wollen einen Ausbau der Atomenergie und Europa hat Atomkraft als umweltfreundlich eingestuft.

In diesem Jahr mehr Teilnehmer?

Aber führen die aktuellen Ereignisse zu einer Wiederbelebung der Ostermärsche, die zuletzt doch deutlich unter mangelnder Teilnahme litten? Das ist laut Kristian Golla, Sprecher des Netzwerks Friedenskooperative, offen. Er wies am Donnerstag darauf hin, dass viele Menschen nach zwei Corona-Jahren über Ostern in den Urlaub fahren.

Zudem frage man sich, ob die Bilder der Gräueltaten in Butscha Menschen eher hilflos und passiv machen oder zum Demonstrieren motivieren, sagte Golla.

Diskussion um Standpunkte

Demonstranten halten ein Banner hoch.

Seit 60 Jahren wird für eine nukleare Abrüstung demonstriert

Intern wurde bei den Organisatoren in Gronau heftig über Standpunkte diskutiert. Einig war man sich schnell in diesen Punkten: Der Krieg in der Ukraine muss so schnell wie möglich beendet werden. Das 100 Milliarden-Rüstungspaket für die Bundeswehr lehnt man ab. Und auch weiterhin fordert man die Abschaltung von Atomanlagen.

Unterschiedliche Meinungen zu Waffenlieferungen

Schwierig ist die Diskussion bei Waffenlieferungen an die Ukraine. Da gibt es unterschiedliche Meinungen. Der Ukraine durch Waffen eine Selbstverteidigung zu ermöglichen, finden einige richtig. Die meisten aber lehnen jegliche Form militärischer Aufrüstung ab. Echter Frieden, so ihre Auffassung, könne nur durch Verhandlungen erreicht werden.

Bundesweit sind nach Angaben des Netzwerks Friedenskooperative in diesem Jahr 124 Aktionen angekündigt. Die meisten Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen sind für Samstag geplant - insgesamt 78.

Ostermarsch von Duisburg nach Dortmund

So startet in Duisburg der Ostermarsch Rhein-Ruhr, der bis zu Abschlusskundgebung am Ostermontag in Dortmund durch mehrere NRW-Städte führt. Weitere Ostermärsche gibt es etwa am Samstag in Münster und am Ostermontag in Dülmen.