Lügde: Anwalt will betroffenen Kindern Aussage ersparen

Missbrauchsskandal Lügde und die Folgen

Lügde: Anwalt will betroffenen Kindern Aussage ersparen

  • Rechtsanwalt: "Dateien immens wichtig"
  • Aussage könnte Kinder extrem belasten
  • Parzelle von zweitem Beschuldigten wird geräumt

Der Detmolder Oberstaatsanwalt Ralf Vetter ist wegen seiner Äußerungen zum Stellenwert von Beweismitteln im Kindesmissbrauchsfall Lüdge in die Kritik geraten. Vetter hatte am Mittwoch (17.04.2019) gesagt, für die Beweisführung seien die Zeugenaussagen der sexuell missbrauchten Kinder viel wichtiger als die sichergestellten Dateien. Dem hat am Donnerstag (17.04.2019) Rechtsanwalt Peter Wüller vehement widersprochen. Er vertritt im Verfahren vier betroffene Kinder.

Rechtsanwalt: Betroffenen Kindern Aussage ersparen

Im Gespräch mit dem WDR verwies Wüller auf die großen psychischen Belastungen der Kinder, denen man sie aussetze, sollten sie das Erlebte noch einmal vor Gericht erzählen müssen. Stattdessen könne man ganz bewusst auf eine Zeugenvernehmung verzichten, sollte zum Beispiel ein Foto oder ein Video eine sexuelle Gewalttat zwischen einem der Beschuldigten und einem Kind zeigen. Damit komme den sichergestellten Videos und Foto-Dateien eine immense Bedeutung zu.

Frühere Aussagen reichen nicht aus

Wenn ein solcher Beleg fehle, müssten die Kinder aussagen. Frühere Aussagen bei der Polizei reichen nicht aus, sagt der Anwalt. Und auch eine Video-Vernehmung aus einem benachbarten Raum könnten die Verteidiger der Beschuldigten ablehnen.

Parzelle von zweitem Beschuldigten wird geräumt

Inzwischen hat die Polizei bekannt gegeben, dass sie die Parzelle eines zweiten Tatbeschuldigten auf dem Lügder Campingplatz seit Donnerstag (18.04.2019 ) räumen lässt. Anders als beim Abriss der Hütte und des Campingwagens des Hauptbeschuldigten Andreas V. in der vorigen Woche, werden die Arbeiten dieses Mal von Polizisten beaufsichtigt.

Ziel sei es, so die Polizei, "Gegenstände aus dem Besitz des Beschuldigten nicht in falsche Hände geraten zu lassen". Die Parzelle sei kein Einsatzort der Strafverfolgungsbehörden mehr.

Stand: 18.04.2019, 12:16

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