Nutria-Plage im Münsterland

Lokalzeit Münsterland 02.02.2022 02:39 Min. Verfügbar bis 02.02.2023 WDR Von Markus Wollnik

Jagd auf Nutrias im Münsterland

Stand: 02.02.2022, 20:00 Uhr

Nutrias breiten sich in NRW immer stärker aus. Jäger melden Rekordzahlen an erlegten Tieren. Im Münsterland droht in einigen Orten eine regelrechte Nutria-Plage.

Von Markus Wollnik

Hoetmar, ein Ortsteil von Warendorf, 2300 Einwohner. Bis vor kurzem herrschte im Wieninger Bach, der mitten durchs Dorf fließt, reges Treiben: Nutrias ließen sich mit der Strömung treiben, führten ihre Jungtiere aus, untergruben die Uferböschung - ein Fall für den Jäger und ehrenamtlichen Nutria-Fänger Dieter Jungmann. Der 60-Jährige stellte direkt am Ufer mehrere Lebendfallen auf.

Äpfel als Köder

Der Jäger befüllt die Lebendfalle mit Apfelködern

Dieter Jungmann ist Nutria-Jäger

Als Köder für die Nagetiere dienen Äpfel. Sobald ein Tier in die Falle tappt, bekommt Jungmann eine Meldung aufs Handy. Der Vorteil gegenüber Totschlagfallen: „Wenn sich doch mal eine Katze in die Falle verirrt, mache ich die Klappe auf – und der Stubentiger ist weg.“ Das sei einige Male vorgekommen.

Doch meistens piepte Jungmanns Handy im vergangenen Jahr, wenn mal wieder einer der Nager in der Falle steckte. Innerhalb von 12 Monaten fing der Jäger so 24 Nutrias, 30 Bisame und 12 Wanderratten. Wenn die Tiere in die Falle tappen, lässt Dieter Jungmann sie in ein Fangnetz laufen, bringt sie in sein Jagdrevier und tötet sie dort mit einem Schuss.

Anwohner hatten Angst

Ein Nutria gefangen in der Lebendfalle

Die Nutrias werden in Lebendfallen gefangen.

Dass in Hoetmar eine Bekämpfung von Nutrias und Bisamen nötig wurde, zeigen die Schilderungen von Anwohnern wie Johannes Tertilt. Er hatte die Tiere nicht nur im Wasser, sondern auch auf Gehwegen und in Gärten laufen gesehen. „Gleich um die Ecke ist der Kindergarten. Und wir hatten junge Hunde im Garten – nicht auszudenken, was bei einer direkten Begegnung mit einem Nutria passieren könnte.“

Dr Bachlauf, an dem die Nutrias wohnen

Von Nutrias unterwühlte Uferböschung

Moritz Hillebrand, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbands Warendorf Nord, macht noch auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Da Nutrias und auch die etwas kleineren Bisame tiefe, meterlange Löcher in die Böschung graben, können ganze Teile der Uferböschung abbrechen.“

Traktoren können umkippen

In dichtbesiedelten Bereichen wie rund um den Wieninger Bach in Hoetmar kann das Schäden an den Wohngrundstücken verursachen. Und im Außenbereich sei es auch schon vorgekommen, dass Traktoren in Ufernähe eingesackt und umgekippt seien.

Eine Nutria zeigt ihre langen Nagezähne

Nutrias erkennt man auch an ihren langen Fangzähnen.

Zumindest in Hoetmar ist die ungebremste Vermehrung der eingeschleppten Nagetierarten Nutria und Bisam erstmal vorbei. Beide gelten als invasiv, verdrängen also heimische Tierarten. Allerdings: „Die Ruhe wird nicht lange dauern“, weiß Fänger Dieter Jungmann, „bald werden neue kommen – auf dem Wasserweg“.

Über dieses Thema haben wir am 02. Februar 2022 im WDR Fernsehen in der Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr, berichtet.