Ausgrabungen im Sauerland: Spuren zu NS-Verbrechen

Ausgrabungen im Sauerland: Spuren zu NS-Verbrechen

Von Heinrich Buttermann

  • Erinnerungen an Kriegsverbrechen ans Tageslicht geholt
  • Massenerschießungen bei Warstein und Eversberg
  • Hinterlassenschaften der getöteten Zwangsarbeiter gesichert
  • Bisher kein ehrendes Andenken an die namenlosen Opfer

Ein nasser Sonntagnachmittag im Februar. Es ist nicht der erste Tag, an dem Forscher und Helfer den Waldboden bei Warstein-Suttrop genau untersuchen. Björn Greene aus Lennestadt sucht mit einem Metalldetektor eine vorher genau abgesprochene Stelle immer wieder ab.

Beim Verschluss einer Bierflasche hat sein Gerät schon angeschlagen, gerade bei einem Stück Alufolie wieder, jetzt scheint er etwas Größeres im Boden entdeckt zu haben: Eine Patronenhülse.

Suche nach Metallresten

Plötzlich ist dem ehrenamtlichen Helfer der ernste Hintergrund wieder klar, warum er hier im Wald nach Metallresten sucht. Im März 1945 - der zweite Weltkrieg und die Nazi-Herschaft waren fast zu Ende - hatte es im Raum Warstein gleich mehrere schlimme Kriegsverbrechen gegeben.

208 Zwangsarbeiter aus Polen und Russland wurden in Suttrop, in Warstein und in Eversberg erschossen, ermordet. "Man hört das immer , da sind welche erschossen worden oder so, aber wenn man wirklich am Ort steht und auch noch die Hinterlassenschaften findet, das ist wirklich hart. Da kommt man schon ins Grübeln."

In dem Wald sind viele Forscher unterwegs. Möglichst genau soll rekonstruiert werden, was sich hier im März 1945 zugetragen hat und warum.

Massenerschießungen angeordnet

Einer lokalen Nazi-Größe missfiel den Recherchen zufolge, dass viele "Fremd-Arbeiter", wie es damals verharmlosend hieß, in und um Warstein unkontrolliert auf den Straßen unterwegs waren. Er ordnete kurzerhand die Massenerschießungen an.

Dr. Marcus Weidner ist einer der Experten des Landschaftsverbandes, der dazu forscht - auch, weil es in den Nachkriegsjahren unterschiedliche Aussagen gab und sich viele Beschuldigte schützen wollten. Munition, Schuhe, Tassen, Teller, Kleidung wurden in Suttrop, in Warstein und in Eversberg gefunden.

Die letzten Hinterlassenschaften von Menschen, über die man heute kaum etwas weiß. "Keiner weiß, wer hier erschossen worden ist - und lange Zeit wollte das auch niemand wissen," sagt Dr. Marcus Weidner dazu.

Das soll sich jetzt ändern. Ein bisher unscheinbarer Ort bei Meschede, auf dem die Erschossenen begraben wurden, soll zu einem würdigen Gedenkort werden.

Stand: 08.03.2019, 11:19