Notfallambulanzen weiterhin überfüllt

Notfallambulanz, Krankenwagen

Notfallambulanzen weiterhin überfüllt

Von Gaby Rosenkranz

  • Ein Drittel der Patienten gehört nicht in Notaufnahme
  • Abklärungspauschale ist Nullnummer
  • Ärzte haben Angst vor Risiko

Die Notfallambulanzen sind überfüllt, Patienten ungeduldig und Ärzte und Pflegepersonal gestresst. Das sollte anders werden, indem vor eingehenden Untersuchungen entschieden wird, ob es sich um einen Notfall handelt oder nicht. Für diese Abklärung bekommen die Krankenhäuser für jeden Patienten tagsüber 4,74 Euro, nachts 8,42.

Aber selbst das scheint nicht der Anreiz dafür zu sein, Patienten zum Notdienst weiterzuschicken, wie die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein festgestellt hat. Denn diese Pauschale werde kaum abgerechnet.

Ärzte haben Angst vor dem Risiko

Im Kreisklinikum in Weidenau zum Beispiel werden nur rund 1,7 Prozent aller Patienten weitergeschickt. Das liege häufig daran, dass die Ärzte kein Riskio eingehen wollen und lieber einen zu viel behandeln, als einen zu wenig.

Das Bild zeigt ein Notfallambulanz Schild

Zu viele Patienten gehen vorschnell in die Notaufnahme

Gerade junge, unerfahrenere Mediziner, die häufig nachts und am Wochenende in den Notaufnahmen Dienst haben, hätten Angst, Fehler zu machen, erklärt der Leiter der Notfallambulanz des Siegener Marienkrankenhauses Dr. Heinrich Franz. Sie müssten in ein paar Minuten über Notfall oder nicht Notfall entscheiden und das sei oft nicht einfach.

Patienten nach Ampelsystem in der Warteschleife

Weil das Weiterschicken schwierig ist, benutzen einige Krankenhäuser das sogenannte Manchester Triage System. Das ist ein Farbsystem, nach dem die Wartezeiten der Patienten festgelegt werden. Blau bedeutet, der Patient ist nicht an "Leib und Leben" bedroht und muss deshalb warten. Jemand, der mit rot eingestuft wird, wird sofort behandelt. Das gebe nicht selten Unmut bei den Wartenden, aber anders sei es nicht zu machen.

Jeder Dritte ist kein Notfall

Rund drei von zehn Patienten müssten nicht in die Notaufnahme eines Krankenhauses, kritisiert die Krankenhausgesellschaft NRW. Die Ärzte appellieren an die Patienten, vorher zu überlegen, ob es wirklich notwendig ist, ins Krankenhaus zu fahren.

Eine Lösung für die rappelvollen Notaufnahmen hat im Moment niemand. Der Vorschlag vom Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, wonach jeder Patient, der in die Notaufnahmen kommt, zuerst eine Gebühr zahlen soll, ist weitgehend vom Tisch.

Stand: 20.07.2018, 15:00