Nordwestbahn will verlässlicher werden

Nordwestbahn

Nordwestbahn will verlässlicher werden

Von Markus Holtrichter

Die Nordwestbahn muss wegen fehlender Lokführer immer wieder Zugfahrten streichen. Jetzt will das Unternehmen mit einer ungewöhnlichen Aktion besser werden - das verspricht Regionalleiterin Martina Sandow im WDR-Interview.

WDR: Martina Sandow, Sie sind neue Regionalleiterin der Nordwestbahn für NRW. Anfang der Woche haben Sie eine Abmahnung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr kassiert, für die zahlreichen Zugausfälle der vergangenen Wochen im Münsterland, Ruhrgebiet und am Niederrhein. Wie gehen Sie damit nun um?

Nordwestbahn-Sprecherin Martina Sandow

Nordwestbahn-Sprecherin Martina Sandow

Martina Sandow: Wir bedauern diese Situation sehr und können uns nur bei den Fahrgästen dafür entschuldigen. Das oberste Ziel ist es, einen zuverlässigen Betrieb herzustellen. Wir prüfen deshalb, einzelne Linienabschnitte grundsätzlich auf Busbetrieb umzustellen. Die Busse sollen dann nach einem eigenen Fahrplan fahren, so dass wir die jeweilige Strecke dann zuverlässig bedienen können. Das wollen wir dann auch klar den Kunden so kommunizieren.

WDR: Ist es ein eisiger Wind, der Ihnen aktuell seitens der Kunden entgegenbläst?

Sandow: Insbesondere die Kolleginnen und Kollegen vor Ort, die Lokführer und die Kundenbetreuer, für die muss ich ein großes Lob aussprechen. Denn sie sind an vorderster Front, wenn es darum geht, die Beschwerden der Fahrgäste entgegenzunehmen. Die haben in den letzten Wochen und Monaten unter diesen Umständen einen wirklich guten Job gemacht, und dafür kann ich an dieser Stelle nur danke sagen!

WDR: Was hat dazu geführt, dass Sie so viele Fahrten absagen mussten?

Sandow: Diese Situation ist entstanden aus einem Zusammenspiel von zunächst einmal arbeitszeitlichen Veränderungen im Rahmen des Tarifvertrages. Beim letzten Tarifabschluss konnten die Mitarbeiter wählen zwischen mehr Gehalt und mehr Freizeit. Und sie haben vermehrt Freizeit gewählt. Gleichzeitig haben wir einen erhöhten Krankenstand gehabt, und wir waren nicht in der Lage, dieser Unterdeckung rechtzeitig durch Neueinstellungen zu begegnen.

WDR: Warum ist es so schwer, neue Lokführer zu finden?

Sandow: Es ist insofern ein belastender Beruf, weil Schichtarbeit Voraussetzung ist. Wir haben das Thema Suizide, die auf der Strecke passieren können und die definitiv eine Belastung für die Kolleginnen und Kollegen sind. Insofern ist es schwierig, dauerhaft in dem Beruf unterwegs zu sein. Man muss eine echte Leidenschaft dafür haben. Dankenswerter Weise ist das bei vielen immer noch so. Letztlich fällt der Lokführermangel aber unter den Oberbegriff Fachkräftemangel, und insofern ist es hier nicht anders als anderswo.

Martina Sandow ist seit Anfang des Jahres bei der Osnabrücker Nordwestbahn, zuvor war die studierte Diplomkauffrau Geschäftsführerin der Nord-Ostsee-Bahn. Bei der Nordwestbahn ist die 52-Jährige als Regionalleiterin zuständig für die Netze Niederrhein, Ruhr und Münsterland. Ihr Dienstsitz ist Dorsten.

WDR: Heute mussten Sie keine Fahrten in NRW absagen. Bleibt das nun so?

Sandow: Derzeit hat sich unsere Krankenquote etwas verbessert. Ich kann allerdings nicht versprechen, dass wir die aktuelle Zuverlässigkeit in den kommenden Tagen aufrechterhalten können. Wir geben aber unser Bestes, das entsprechend zu tun.

Das Interview führte Markus Holtrichter

Stand: 31.01.2019, 10:56

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