Mit 16 querschnittsgelähmt: Laura Pott ist wieder zu Hause

Mit Querschnittslähmung wieder im Leben 04:57 Min. Verfügbar bis 14.07.2022

Mit 16 querschnittsgelähmt: Laura Pott ist wieder zu Hause

Laura Pott ist seit einem Unfall beim Aufbau eines Osterfeuers im Frühjahr 2020 unterhalb der Brust querschnittsgelähmt. Die inzwischen 17-Jährige lag lange im Koma, musste sich mühsam ins Leben zurückkämpfen. Jetzt lebt die Bad Berleburgerin wieder zu Hause. Im Interview erzählt sie uns von ihrem neuen Alltag im Rollstuhl.

WDR: Du hattest immer das Ziel vor Augen, nach Hause zu kommen. Wie war es dann, wieder zu Hause zu sein?

Laura Pott: Ich habe mich mega gefreut, nach neun Monaten in der Klinik wieder zu Hause zu sein. Aber auf der anderen Seite hatte man Angst, ob man das alles schafft – jetzt so im Rollstuhl. Da ging mir im Kopf erst mal rum, was so alles passiert ist.

WDR: War dann alles gut zu Hause?

Frau sitzt im Rollstuhl

Laura Pott

Pott: Das hat mich am Anfang schon umgehauen. Es gab so Sachen, wo ich nicht wusste, wie ich das Zuhause umsetzen sollte. Aber jetzt klappt alles ganz gut. Und mein Hund hat sich auch an den Rollstuhl gewöhnt. Das hat weh getan. Er hatte am Anfang Angst vor mir. Als ob ich ein fremder Mensch war.

WDR: Wie schaffst du deinen Alltag?

Frau sitzt im Rollstuhl

Laura Pott auf ihrem Handbike

Pott: Ich komme ganz gut klar. Ich stehe früh auf, weil ich nicht mehr liegen kann. Der Rücken tut oft weh. Alles braucht länger: waschen, anziehen. Dann habe ich oft Termine, Therapien und Ärzte. Doch wenn ich Zeit habe, fahre ich Handbike. Da kann ich für eine kurze Zeit endlich mal alles vergessen und einfach mal wegfahren. Wenn ich das nicht kann, bin ich traurig.

WDR: Wenn du Handbike fährst, kommst du dann auch an dem Platz vorbei an dem dein Unfall passiert ist?

Pott: Da fahre ich fast täglich vorbei. Ich fahre dann langsam dran vorbei und dann gebe ich Gas und fahre nach Hause. Und dann denke ich, es ist halt so.

WDR: Du wirkst so gelassen. Bist du gelassen?

Frau sitzt im Rollstuhl

Bei ihr zu Hause ist alles für Lauras Bedürfnisse umgebaut

Pott: Ich würde sagen, es geht mir gut. Wenn man zur Ruhe kommt, ist das nicht immer so. Dann weine ich auch mal nur. Ich muss eben damit umgehen, dass nicht alles funktioniert.

WDR: Aber du machst den Mund auf, wenn etwas nicht funktioniert?

Pott: Ja. Ich bin selbstbewusster geworden. Ich habe zum Beispiel mit unserer Ortsvorsteherin gesprochen. Ich komme nicht auf den Friedhof, wenn ich das Grab meines Vaters besuchen will. Der Eingang ist nicht behindertengerecht. Das geht nicht. Da muss jetzt was passieren.

Im März 2020 war beim Aufbau des Osterfeuers in Bad Berleburg-Berghausen eine Konstruktion aus Fichtenstämmen zusammengebrochen. Ein kiloschwerer Stamm begrub Laura Pott unter sich. Seitdem ist sie querschnittsgelähmt.

WDR: Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Pott: Ich will auf jeden Fall hierbleiben. Zuhause ist alles für mich perfekt. Wir haben umgebaut. Ich komme da gut mit dem Rollstuhl klar. Ich möchte eine Lehre machen im Büro. Irgendwo in der Nähe, damit ich meine Arbeit mit dem Handbike erreichen kann.

Das Interview führte Katja Brinkhoff.

Stand: 14.07.2021, 11:42