Windkraft überall? Beispiel Arfeld

03:12 Min. Verfügbar bis 14.04.2023

900 neue Windräder für Südwestfalen?

Stand: 14.04.2022, 20:30 Uhr

Die Landesregierung will bis 2030 doppelt so viel Windstrom in NRW erzeugen können - mit 1.916 neuen Windrädern. Fast die Hälfte davon könnte laut einer Studie in Südwestfalen stehen. Die Idee ist umstritten.

Von Mike Külpmann

Cliff Reppel, Projektleiter von Wittgenstein Wind

Der Bau von Windrädern boomt.

In der Region gibt es unterschiedliche Reaktionen auf die jüngste Windkraftstudie des Studie des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Darin wurden über 900 neue Windräder allein für Südwestfalen in Aussicht gestellt - die meisten im Wald: auf durch den Borkenkäfer entstandenen Brachflächen.

Das Geschäft mit Windrädern boomt

In Wittgenstein werden gerade besonders viele Windenergieanlagen diskutiert: In Erndtebrück sind es 19, in Bad Berleburg 39. Allein im 800-Einwohner-Ort Arfeld könnten bald 12 Windräder stehen.

Ludwig-Ferdinand zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, Windinvestor und Waldbesitzer

Ludwig-Ferdinand zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg

Vier davon plant und baut die Firma Wittgenstein Wind aus Bad Laasphe. Dort betreibt sie bereits 12 Anlagen, 40 weitere sind an verschieden Standorten auch außerhalb der Region geplant. Gründer und Geschäftsführer Ludwig Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg spricht von einem Boom.

Investor hält Zahlen für unrealistisch

An 900 neue Windräder in Südwestfalen glaubt er allerdings nicht. 200 seien realistischer – allein schon wegen der komplizierten Genehmigungsverfahren. Den Wald und gerade die gerodeten Borkenkäferflächen sieht er als geeignete Windkraft-Standorte:

"Da der Wind besonders auf den Kuppen weht, muss uns auch erlaubt werden, dort Windräder zu bauen." Ludwig Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg

An die bis zu 250 Meter hohen Anlagen würden sich die Leute gewöhnen, so der Investor.

Kritiker fordern mehr Solar- und Wasserkraftwerke

Anders sieht das der Arfelder Ortsvorsteher Kai-Uwe Jochims. Er kritisiert, dass die Windenergie stärker gefördert werde als andere erneuerbare Energien. "Wenn mehr in Solarenergie und Wasserkraft investiert würde, brauchten wir nicht so viele Windräder im Wald", so Jochims. Die Förderrichtlinien schaffe die falschen Anreize.

Arfeld, ein Ortsteil der Stadt Bad Berleburg

Arfeld, ein Ortsteil der Stadt Bad Berleburg

Viele Arfelder sehen das Ganze eher pragmatisch. Offenen Protest gibt es nicht, kritische Stimmen schon. Danach wäre ein Bürgerwindpark wie im benachbarten Hilchenbach die bessere Lösung. Denn dann könnten sich die Arfelder an den Windkraftanlagen beteiligen und von den Gewinnen finanziell profitieren.