Neue Ermittlungen wegen Vergewaltigungen in Bielefelder Klinik

Evangelisches Klinikum Bethel

Neue Ermittlungen wegen Vergewaltigungen in Bielefelder Klinik

Im Fall von Vergewaltigungen im Evangelischen Klinikum Bielefeld-Bethel hat die Staatsanwaltschaft Duisburg die Ermittlungen wieder aufgenommen. Das teilte sie am Mittwoch mit.

Ein Assistenzarzt hatte im Dienst mehrere Patientinnen während ihres Krankenhausaufenthalts betäubt und vergewaltigt. Die Vorgesetzten des Mediziners sollen 2019 Hinweise von Opfern nicht überprüft und so weitere Taten ermöglicht haben. Die aktuellen Ermittlungen richten sich jetzt gegen mehrere Verantwortliche des Klinikums.

Vorwurf: Vorgesetzte sollen Hinweisen nicht nachgegangen sein

Nachdem sich der Mediziner in der Untersuchungshaft selbst getötet hatte, stellte die Staatsanwaltschaft Bielefeld die Ermittlungen gegen ihn ein. Im Auftrag des nordrhein-westfälischen Justizministeriums prüft die Staatsanwaltschaft Duisburg den Fall jetzt erneut auf neue Ermittlungsansätze gegen die Vorgesetzten.

Dabei geht es um den Vorwurf des Verdachts der Beihilfe zur Vergewaltigung durch Unterlassen. Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat eine Ermittlungsgruppe gebildet.

Opfer wurden nicht informiert

Die Mandantin von Opferanwalt Daniel Farrokh war froh, als sie von der Entscheidung des Justizministers erfuhr: "Sie hatte das Gefühl, dass ihr möglicherweise doch noch Gerechtigkeit wiederfährt, dass man sie ernst nimmt", so Farrokh. "Sie freut sich darauf, dass die weiteren Ermittlungen stattfinden, in der Hoffnung darauf, dass andere Frauen benachrichtigt werden."

Mehr als 10 Frauen wurden damals Opfer des Arztes. Er filmte seine Taten, weshalb die Staatsanwaltschaft alle Opfer kennt. Aber sie entschied sich nach dem Suizid des Täters, die Opfer nicht zu informieren.

"Es ist im Körpergedächtnis"

Problem daran sei laut Opferanwältin Stefanie Höke, dass nach den Taten Dritte bestimmt hätten "und den beschädigten Frauen die Rechte abgeschnitten haben, ob sie davon Kenntnis erlangen oder nicht."

Für die langfristigen Folgen der Vergewaltigung haben die Opferanwälte auch mit Trauma-Experten gesprochen: "Es ist im Körpergedächtnis", so Höke. "Wenn eine Sedierung stattgefunden hat, kann es durch Alltagssituationen wieder aufkommen, dass eine Erinnerung stattfindet." Hinzu kommt für die Anwältin, dass der Täter Geschlechtskrankheiten hatte.

Anwalt von Chefarzt und Oberarzt überrascht

Gegen den damaligen Chefarzt und einen Oberarzt wurde das Verfahren eingestellt. Ihr Anwalt Martin Mauntel ist überrascht davon, dass ihr Fall neu aufgerollt wird:

"Zwei Staatsanwaltschaften haben unabhängig voneinander nach dieser Prüfung entschieden, dass die Beschuldigten unschuldig sind. Daran ist auch nichts zu ändern."

Vergewaltigungsserie war bisher strafrechtlich folgenlos

Bislang blieb die Vergewaltigungsserie durch den Arzt ohne strafrechtliche Folgen. Dagegen hatten zwei Opfer Beschwerde eingelegt, die die Generalstaatsanwaltschaft Hamm erst im August abgewiesen hatte.

Stand: 11.11.2021, 19:00