Der Familie ganz nah: Naturnahe Bestattung im eigenen Garten

Bianca Dollinger besucht jeden Tag den Maronenbaum in ihrem Garten

Der Familie ganz nah: Naturnahe Bestattung im eigenen Garten

Von Katja Brinkhoff

Francesco Giannoccaro ist mit 81 Jahren verstorben. Seine Familie erfüllte seinen letzten Wunsch, naturnah bestattet zu werden, auf ungewöhnliche Weise.

In Bianca Dollingers Garten stehen Obstbäume. Es gibt Gemüsebeete, Spaliere für Weintrauben und jetzt auch einen kleinen Esskastanienbaum – einen Maronenbaum. Sechs Monate hat die Familie auf diesen besonderen Baum gewartet.

Der Deckel von Francesco Giannoccaros Urne hängt als amtliches Dokument an einem der Äste

"Der Maronenbaum ist für mich und meine Familie die Grabstätte meines Vaters", erzählt Bianca Dollinger. "In einer Baumschule in Holland wurde seine Asche mit der Erde vermischt, in die der Setzling des Maronenbaums gepflanzt wurde."

Ein Maronenbaum für den Vater

Bianca Dollingers Vater liebte die Natur. Bei seinen Spaziergängen entdeckte er einen Maronenbaum, von dem er wieder und wieder erzählte. Irgendwo in den Siegerländer Wäldern muss es diesen Baum geben. Niemand weiß wo.

Bianca Dollinger: "So entstand die Idee, meinen Vater unter einem Maronenbaum zu beerdigen." Francesco Giannoccaro hatte sich gewünscht, unter einem Baum begraben zu werden – in einem Friedwald. Doch nirgends gab es Maronenbäume.

Francesco Giannoccaro hatte sich eine Bestattung unter einem Baum gewünscht

Jetzt steht ein Maronenbaum in Bianca Dollingers Garten. Direkt vor ihrer Gartenbank. Täglich sitzt sie hier, um ihren Espresso zu trinken: "Ein Ritual. Besuchte mein Vater uns, tranken wir Espresso."

„Das hast du gut gemacht“

Niemand in der Familie oder im Freundes- und Bekanntenkreis hat den Kopf über Francesco Giannoccaros letzte Ruhestätte geschüttelt. "Sie dürfen alle kommen und ihn besuchen," sagt Bianca Dollinger. Sie ist sich sicher: "Mein Vater würde sagen, das hast du gut gemacht."

Der Maronenbaum soll Wind und Wetter trotzen. Der Wunsch der Familie: Er soll Generationen überdauern und die begleiten, die nach Francesco Giannoccaro hier leben. Ein schöner Gedanke.

Stand: 03.05.2021, 20:19