In OWL entsteht der "Deich der Zukunft"

Bauarbeitrer vor einem mit Sandsäcken bedeckten Deich

In OWL entsteht der "Deich der Zukunft"

Wenn Flüsse wie Rhein, Weser oder Elbe bei Hochwasser über die Ufer treten, könnte künftig eine neue Art von Deichen vor Überschwemmungen schützen.

Die bisherigen Tests mit einem Modelldeich am Baggersee in Lage-Müssen sind vielversprechend. Deiche sicherer und nachhaltiger gestalten - das ist das Ziel des Forschungsprojektes.

Seit zwei Jahren beschäftigen sich die TH OWL, die RWTH Aachen und das Unternehmen "topocare" aus Gütersloh damit. Am Baggersee des Kieswerks Ahle in Lage-Müssen testen sie ihre neu entwickelte Deichkonstruktion.

Deichkern aus Textilschläuchen

Der Kern des neuen Deichtyps besteht aus einem einzelnen, langen Geotextilschlauch aus Vlies. Der Schlauch wird durch eine Spezialmaschine mit Erde, Kies oder auch Sand gefüllt und anschließend ausgelegt.

Anders als beim bisherigen Deichbau ist die Erdmasse durch den Schlauch bei Überschwemmungen geschützt. Er verhindert, dass die Erde abrutscht und der Deich bricht.  

Feldversuch am Kieswerk

Ein Mann mit Warnweste steht vor einem Deich.

Der Deich grenzt an einen Container.

Um zu testen, wie sich die Konstruktion unter realen Bedingungen bewährt, führt die TH OWL zusammen mit "topocare" verschiedene Feldversuche durch.

Dazu werden mehrere 10.000 Liter Wasser aus dem Baggersee in einen Container gepumpt, der an einer Seite geöffnet und direkt am Modelldeich platziert ist. Das Wasser aus dem Container drückt gegen den Deich und überflutet ihn. So lässt sich feststellen, ob beispielsweise Erdmasse aus dem Schlauch gespült wird oder der Schlauch sich verschiebt.

Überwachung durch Sensortechnik

Zusätzlich werden die Schläuche mit Sensoren ausgestattet. Gut geschützt in Leerrohren erfassen sie geotechnische und hydraulische Daten, die zusätzliche Rückschlüsse darüber geben, wie stabil und dicht die Konstruktion ist. Später sollen die Sensoren als Frühwarnsystem für die langfristige Überwachung der Deiche dienen.

Nachhaltig und ressourcenschonend

Die Geotextilschläuche werden erst vor Ort gefüllt, mit dem dort schon vorhandenen Bodenmaterial. Das spart Ressourcen. Durch die neuartige Bauweise können die Deiche aus Geotextilschläuchen außerdem steiler ausgerichtet werden als bisherige Konstruktionen und sparen dadurch Material- und Fläche ein.

Stand: 27.05.2021, 17:04