Erste Frauenmilchbank im Münsterland am Uniklinikum Münster

Lokalzeit Münsterland 23.09.2022 03:15 Min. Verfügbar bis 23.09.2023 WDR Von Silvia Stoll

Erste Frauenmilchbank im Münsterland

Stand: 23.09.2022, 20:00 Uhr

Am Uniklinikum Münster gibt es die erste Frauenmilchbank im Münsterland. Mütter spenden ihre Milch, davon profitieren Frühgeborene und kranke Neugeborene.

Von Silvia Stoll

Der kleine Linus kam in der 22. Schwangerschaftswoche zur Welt, also eigentlich viel zu früh. Mittlerweile ist Linus ist fünf Monate alt. Noch muss er im UKM bleiben. "Er hat noch ein paar Baustellen. Wir warten halt darauf, dass er noch ein bisschen mehr an Gewicht zulegt", erzählt Daniel Rengers, der Vater von Linus. Beim Gewicht zulegen und Bewältigen der Baustellen hilft Linus seit seiner Geburt gespendete Milch.

"410 Gramm hatte er bei der Geburt, mittlerweile hat er 2640 Gramm." Daniel Rengers, Vater von Linus.

"Wir wissen ziemlich genau, dass die eigene Muttermilch die beste Ernährung für die Frühgeborenen ist, weil der Darm sehr unreif ist, genauso wie das ganze Kind", sagt Dr. Julia Sandkötter, Leiterin der Neonatologie am UKM. Doch wenn die Mutter keine Milch produzieren kann, ist die zweitbeste Ernährung gespendete Muttermilch. Zum einen geht der Nahrungsaufbau bei den Frühgeborenen damit schneller. Zum anderen gibt es weniger schwere Erkrankungen des Darms, wenn sie mit Muttermilch ernährt werden, so die Ärztin.

Immer wieder hat es ganz kleine Frühgeborene gegeben, die schwere Darmkomplikationen erlitten hatten, die operiert werden mussten. Und das in ganz frühem Alter, mit ganz wenig Gewicht. "Wir haben gesagt: Das müssen wir ändern!“

Muttermilchspenden seit Anfang des Jahres

Krankenschwester kniet vor einem offenen Kühlschrank, in dem Muttermilchspenden gelagert werden

Die gespendete Milch kann drei Monate tiefgefroren aufbewahrt werden

Anfang des Jahres startete das UKM eine Pilotphase – die Akzeptanz, fremde Milch anzunehmen und die Bereitschaft, Muttermilch zu spenden, war von Anfang an groß. Auch Janina Braun hat Muttermilch gespendet: "Meine Tochter war hier in der Klinik und kam als Frühchen zur Welt. Und anfänglich hatte ich einfach zu viel Milch. Und dann wurde ich eben gefragt, ob ich diesen Überschuss spenden möchte." Janina Brauns Tochter bekam am Anfang einen Milliliter Muttermilch. Bei jedem Pumpvorgang pumpte Janina Braun in der ersten Woche 50 Milliliter Milch ab.

Prinzipiell dürfen alle Frauen Milch spenden, die im Klinikum ein Kind entbunden haben.  Darüber hinaus gibt es einen Bluttest und einen Check der Spenderin: "Rauchen ist natürlich nicht erlaubt", sagt Ärztin Julia Sandkötter. Weitere Ausschlusskriterien seien frische Tattoos, frische Piercings, die ein Infektionsrisiko darstellen könnten.

Frauenmilch wird regelmäßig untersucht

Auch die gespendete Milch wird regelmäßig auf Keime untersucht und pasteurisiert. Drei Monate lang darf sie im Klinikum verwendet werden, wenn sie eingefroren ist. Für den kleinen Linus ist das Angebot lebensrettend gewesen: "Im ersten Moment war ich natürlich traurig, dass er nicht meine Milch bekommen hat, aber im Nachhinein bin ich halt glücklich, dass es so etwas überhaupt gibt", sagt seine Mutter Carina Zurich.

Noch sind Frauenmilchbanken rar gesät. In NRW zum Beispiel gibt es sie nur in der Uniklink Essen, in einer Klinik in Detmold und im Klinikum Dortmund. Und jetzt auch im Münsterland.

Erste Frauenmilchbank im Münsterland

WDR Studios NRW 30.09.2022 00:47 Min. Verfügbar bis 30.09.2022 WDR Online


    

Über dieses Thema berichten wir am 23.09.2022 auf WDR 2 in der Lokalzeit Münsterland.