Wie Muslime den Ramadan bei der Bundeswehr feiern

Esmat (re.) baut zusammen mit einem Kameraden ein Zelt auf.

Wie Muslime den Ramadan bei der Bundeswehr feiern

Von Christine Etrich

Ramadan bedeutet mehr als der bloße Verzicht auf Trinken und Essen. Zwei Soldaten aus Augustdorf berichten, wie sie Ramadan und ihren Dienst miteinander vereinbaren.

Es ist ein windiger, kühler Tag. Trotzdem hat Esmat* Schweißperlen auf der Stirn. Kein Wunder: Der 24-jährige Bundeswehrrekrut marschiert mit 30 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Seine Einheit ist auf dem Weg von der Kaserne in Augustdort zum Truppenübungsplatz.

Fasten ist eine der fünf Säulen des Islam

Zwei Tage Übung im Gelände steht an. Der junge Afghane lebt seit elf Jahren in Deutschland. Er ist gläubiger Moslem und mitten in der Fastenzeit. Einmal im Jahr für 30 Tage Fasten ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.

Denn: "Es gehört zu den fünf Säulen des Islam", erklärt Esmat. Man gewöhne sich daran, vor Sonnenaufgang zu Essen und zu trinken und nach Sonnenuntergang erst wieder Speisen zu sich nehmen.

Der Islam erlaubt Ausnahmen

Doch Esmat ist froh, dass der Islam Ausnahmen ermögliche, ohne dass die Gläubigen ein schlechtes Gewissen haben müssen. In den zwei Tagen mit Marschieren, Schießübungen, Übernachten im Gelände fastet er nicht. "Ich benötige meine ganze Kraft, um konzentriert zu bleiben."

Während der 24-Jährige das erzählt, baut er seine Zeltplane auf. Die Rekruten werden im Wald übernachten. Esmat wird die Fasten-Tage nachholen, das erlaubt der Islam. Außerdem können Muslime stattdessen Geld spenden für soziale Zwecke.

Das Fasten hat einen Grund

Leutnant Ahmet Vayni ist Personalleiter des Panzergrenadierbataillons 212 in Augustdorf und Moslem

Leutnant Ahmet Vayni ist Personalleiter des Panzergrenadierbataillons 212 in Augustdorf und Moslem

In einer warmen, trockenen Bürostube sitzt Leutnant Ahmet Vayni. Er ist der Personalleiter des Panzergrenadierbataillons 212 in Augustdorf und Moslem. Auch für ihn ist der Ramadan wichtig. Fasten gehöre unbedingt zum Glauben.

"Muslime fasten unter anderem, um ein Gespür dafür zu bekommen, wie es armen Menschen gehe, die nicht selbstverständlich jederzeit Zugang zu Essen und Trinken habe", erzählt Vayni.

Urlaub für den Ramadan

Seit 15 Jahren ist der Leutnant bei der Bundeswehr und hat in der Zeit noch nie Probleme gehabt, Ramadan zu begehen. Manchmal nimmt er allerdings Urlaub, um in Ruhe zu Hause zu fasten. In seinem Bataillon mit 750 Soldaten sind geschätzt zwei Prozent Muslime.

Begleiteffekte des Ramadan

Ein Thema bei den anderen Kollegen sei der Glauben selten. Nur im Ramadan komme es gelegentlich zu Fragen wie: "Wie schafft du das eigentlich, tagsüber nicht zu essen?" Dann käme man ins Gespräch über Glauben, unterschiedliche Religionen, über persönliche Einstellungen und lerne sich so besser kennen. "Ein schöner Begleiteffekt des Ramadan."

Zuckerfest als Ende des Ramadan

Esmat will nach seinem Grundwehrdienst bei der Bundeswehr bleiben. Am 15. Mai wird er sich allerdings Urlaub nehmen – fürs Zuckerfest – das Ende des Ramadan.

Ramadan: "Erhaltung der Gesundheit ist religiöses Gebot"

WDR 5 Morgenecho - Interview 16.04.2021 06:22 Min. Verfügbar bis 16.04.2022 WDR 5


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*Hinweis der Redaktion: Der Name "Esmat" ist auf Wunsch des Protagonisten geändert. Der echte Name ist der Redaktion bekannt.

Stand: 06.05.2021, 15:02