Wie macht Münster das nur? Die Stadt hat den niedrigsten Corona-Wert in NRW

Blick auf den Prinzipalmarkt und die Lambertikirche in Münster

Wie macht Münster das nur? Die Stadt hat den niedrigsten Corona-Wert in NRW

Landesweit liegt die 7-Tage-Inzidenz nirgendwo so niedrig wie in Münster - aktuell mit einem Wert von 32. Die höchste Inzidenz hat dagegen Hagen mit 213. Was läuft in Münster anders?

Ein klares Erfolgsrezept gibt es nicht. Der Kampf gegen das Coronavirus ist auch in Münster wohl ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, das offenbar Wirkung zeigt. Manches mag vielleicht nur Zufall sein, meint der Epidemiologe Prof. Dr. André Karch von der Uni Münster. So habe es in der Stadt zuletzt keine größeren Ausbrüche etwa in Alten- oder Pflegeeinrichtungen gegeben. Schon das könne einen Unterschied machen.

Es könne aber auch mit der Sozial- und Arbeitsstruktur zu tun haben, sagt Karch. In einer Stadt wie Münster, die eher von Verwaltungen als von Industrie geprägt ist, sei Home-Office leichter umzusetzen. Dazu gebe es in Münster viele Single-Haushalte. Soziale Kontakte würden sich so häufig nur auf wenige Menschen außerhalb der Arbeit beschränken.

Münsteraner sind solidarisch

Für Münsters Corona-Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer sind das alles Bausteine zum Erfolg. Viel hänge aber vor allem mit der Bürgerschaft zusammen. In Münster indentifiziere man sich sehr stark mit der Stadt. So hätten die meisten Menschen auch von Anfang an viel Verständnis für die Einschränkungen gezeigt. Solidarität habe in Münster Tradition.

Außerdem sei das Gesundheitsamt personell so aufgestockt worden, dass es auch bei deutlich höheren Infektionszahlen immer in der Lage gewesen sei, Kontakte nachverfolgen zu können und nie die Kontrolle verloren habe, so Heuer.

Er glaubt nicht, dass die niedrige Inzidenz durch eine geringere Zahl von Corona-Tests zustande kommen könnte. Auch in Münster teste man viel und halte sich an die vorgeschriebene nationale Teststrategie. Es werde allerdings nicht jeder, der engen Kontakt zu einer infizierten Person hatte, automatisch ebenfalls getestet, sondern vielleicht nur in Quarantäne geschickt.

Keine Insellösung für Münster

Münster liegt nun schon seit gut zehn Tagen unter der Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Damit wäre es längst möglich, mit dem Land über erste vorsichtige Lockerungen zu verhandeln. Für regionale Lösungen, wie sie jüngst auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte, sieht Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer zumindest im Moment die Zeit noch nicht gekommen.

Münster sei als Oberzentrum zu stark verflochten mit dem Umland. Eine Insellösung nur für die Stadt soll es daher nicht geben. Würden etwa nur in Münster Geschäfte geöffnet und ringsherum nicht, würde das zu viele Touristen anlocken. Lockerungen könnten daher nur dann angedacht werden, wenn auch die Nachbarkreise stabil niedrige Werte hätten.

Handelsverband in Münster hat Verständnis für Einschränkungen

Das sieht auch Karin Eksen vom Handelsverband Westfalen-Münsterland so. Zwar seien viele Einzelhändler mittlerweile in ihrer Existenz bedroht, dennoch wolle man sich nicht dem Risiko aussetzen, plötzlich als Corona-Hotspot dazustehen. Das oberste Ziel bleibe es, die Pandemie zu bekämpfen, darin sind sich alle einig. Und ein niedriger Inzidenzwert sei immer nur eine Momentaufnahme.

Inzidenz: Hoch und Tief in Münster und Warendorf Lokalzeit Münsterland 21.01.2021 02:41 Min. Verfügbar bis 21.01.2022 WDR Von Antje Kley

Stand: 29.01.2021, 18:49

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