Wie tolerant ist das Bistum wirklich?

Lokalzeit Münsterland 27.01.2022 02:38 Min. Verfügbar bis 27.01.2023 WDR Von Andrea Hansen

Münsters Bischof: Respekt vor Kampagne #OutInChurch

Stand: 27.01.2022, 20:00 Uhr

Das Coming-out von queeren Kirchen-Mitarbeiterinnen und -mitarbeitern hat im Bistum Münster keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen. Das hat Bischof Felix Genn klargestellt.

Bei einer bundesweiten Aktion hatten sich Anfang der Woche 125 queere Menschen an die Öffentlichkeit gewandt - zum Beispiel Pfarrer, Pastoralreferentinnen und Religionslehrer. Viele hatten ihre sexuelle Identität bislang verheimlicht, auch aus Angst, dass ihnen gekündigt wird.

Bischof Felix Genn

Genn reagiert auf Kampagne

Er habe großen Respekt vor den kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich in der Kampagne #OutinChurch als queer geoutet hätten, so Bischof Felix Genn. Die bewegenden Aussagen und Lebensschicksale machten deutlich, dass die katholische Kirche ein Klima der Angstfreiheit brauche.

"Niemand darf wegen seiner sexuellen Orientierung oder seiner geschlechtlichen Identität diskriminiert oder abgewertet werden." Bischof Felix Genn

Keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen

Im Bistum Münster müssten Mitarbeitende, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennen, keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen fürchten. Außerdem habe auch der persönliche Familienstand keine Relevanz für die Anstellung oder Weiterbeschäftigung bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung.

Anders verhält es sich für Mitarbeitende in der Seelsorge, die sich nicht nur outen, sondern beispielsweise auch offen in einer Partnerschaft leben wollen. Die Mitarbeitervertretung der Pastoralassistenten und -referenten kritisiert das am Donnerstag in einem Schreiben.

"Die Kolleg*Innen, die zu ihrer Liebe stehen und auch nach außen bezeugen, befürchten leider zu Recht arbeitsrechtliche Konsequenzen." Mitarbeitervertretung der Pastoralassistenten und -referenten im Bistum Münster

Mehrfach hätten Vertreter das Bistum in den vergangenen Jahren auf diesen Missstand hingewiesen und Lösungen gefordert. "Immer haben wir gehört, dass ihnen die Hände gebunden sind, sobald zum Beispiel eine gleichgeschlechtliche Beziehung vor dem Standesamt legalisiert beziehungsweise sich öffentlich dazu bekannt wird", heißt es in dem Schreiben der Mitarbeitervertretung.

Pastoralreferentin aus Münster kündigt

Eine Pastoralreferentin aus Münster-Hiltrup hat jetzt für sich Konsequenzen aus dieser Unsicherheit gezogen. Yvonne Krabbe hat vergangenen Monat gekündigt, um offen mit ihrer Frau leben zu können. Das "Doppelleben" all die Jahre sei belastend gewesen.

Hoffnung für queere Menschen in der Seelsorge könnte der sogenannte "Synodale Weg" sein, das Gesprächsformat der Deutschen Bischofskonferenz und der katholischen Laien. Hier soll es in der kommenden Woche um Sexualmoral und das katholische Arbeitsrecht gehen.

Bistum hat Referentin für Diversität

Im Bistum Münster ist seit dem vergangenen Jahr eine Referentin für Diversität tätig, die sich unter anderem um die Vernetzung von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung kümmert. Im vergangenen Jahr hatte sich der Bischof mit Menschen mit verschiedenen geschlechtlichen Identitäten getroffen. "Das war für mich sehr bewegend. Viele homosexuelle Menschen wurden über Jahre und Jahrzehnte durch Äußerungen der Kirche verletzt. Das darf heute und in Zukunft nicht mehr so sein. "