Razzia im schiitischen Imam-Mahdi Zentrum in Münster

Lokalzeit Münsterland 17.03.2022 02:15 Min. Verfügbar bis 17.03.2023 WDR Von Christian Schweitzer

Polizei durchsucht Islamzentrum in Münster

Stand: 17.03.2022, 20:00 Uhr

Das NRW-Innenministerium hat am Donnerstag den schiitischen Verein "Fatime Versammlung" verboten und das Imam-Mahdi-Zentrum in Münster von der Polizei durchsuchen lassen.

An der Razzia in dem Islamzentrum, das von dem Verein betrieben wird, und in zwei weiteren Wohnungen waren rund 50 Beamtinnen und Beamte beteiligt. Auch im niedersächsischen Delmenhorst durchsuchte die Polizei in diesem Zusammenhang ein Gebäude.

Die Durchsuchungen dienten der Durchsetzung des Verbots und der Beschlagnahmung des Vereinsvermögens, so die Polizei. Bei den Polizeiaktionen seien Datenträger, größere Mengen Münzgeld und zehntausend Euro Bargeld beschlagnahmt worden.

Polizeikräfte stehen vor dem Eingang des Islamzentrums

Um sechs Uhr stand die Polizei vor der Tür

Die Razzia begann am Morgen um sechs Uhr und dauerte rund vier Stunden. Die Moschee mit einer angeschlossenen Islam-Schule war schon mehrfach Ziel von Durchsuchungen. Immer wieder war bei Verfassungsschützern  der Verdacht aufgekommen,  dass von hier aus die in Deutschland verbotene Hisbollah unterstützt wird.

Beobachtung durch Verfassungsschutz

Seit mehr als zehn Jahren wird das Islamzentrum in einem Hiltruper Hinterhof vom Verfassungsschutz des Landes NRW beobachtet und in seinen Berichten erwähnt. Vor einigen Jahren waren Handyaufnahmen von einem Hassprediger in dem Zentrum aufgetaucht.

Innenminister rechtfertigt Verbot

Herbert Reul gibt ein Statement zu einem Polizeieinsatz

Minister Reul hat die Moschee und den Trägerverein verboten

Der Moscheeverein habe die libanesische Hisbollah-Miliz "direkt und indirekt unterstützt", sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstagvormittag zur Begründung des Verbotes. In den vergangenen Jahren habe das Zentrum mehrere tausend Euro an Spenden gesammelt, um Kinder und Hinterbliebene von islamistischen Kämpfern zu versorgen.

Einmal sei ein mutmaßlicher Gesandter der Hisbollah zu Besuch gewesen, "quasi ein Botschafter des Terrors", so Reul. Die "antisemitische und islamistische Propaganda" des Vereins sei schon im Kindes- und Jugendalter vermittelt worden. Dem Innenminister zufolge wurden bei der Razzia etwa Malbücher mit dem Vereinslogo beschlagnahmt. "Ein wichtiger Außenposten der Terrororganisation Hisbollah wurde dicht gemacht", so Reul.