Hund in Ahlen gepfändet - herzlos oder gerecht?

Hund in Ahlen gepfändet - herzlos oder gerecht?

Von Andreas Poulakos

  • Juristisch ist Pfändung möglich
  • Schuldnerberaterin nimmt Stadt in Schutz
  • Tierschutzbund appelliert an die Politik
Kommentare (55)

Die Entscheidung der Stadt Ahlen, den Hund einer verschuldeten Familie zu pfänden und im Internet zu verkaufen, sorgt für empörte Reaktionen. Doch eine solche Amtshandlung sei nicht ganz ungewöhnlich, erklärt Rechtsanwältin Susan Beaucamp aus Krefeld. Zwar sei die Pfändung von Haustieren laut Zivilprozessordnung (Paragraph 811c) grundsätzlich nicht zulässig.

"Aber es gibt Ausnahmen, wenn das Tier einen hohen Geldwert hat", sagt die Juristin, die sich auf Tierrecht und speziell Hunderecht spezialisiert hat. Bei Rassehunden könne man davon ausgehen, dass sie in fast allen Fällen die recht niedrig angesetzte Grenze von 250 Euro überschreiten.

Chancen wurden nicht genutzt

Portrait: Susan Beaucamp

Susan Beaucamp

Das bedeute aber nicht, dass Schuldner völlig machtlos seien, wenn ihr Haushund beschlagnahmt wird. "Ohne die Einzelheiten des Falls zu kennen, denke ich, dass es Chancen gegeben hätte, das gerichtlich noch abzuwenden."

Inzwischen sei es dafür aber wohl zu spät: "Durch den Verkauf des Hundes ist die Sache abgeschlossen. Die Familie bekäme das Tier auch dann nicht zurück, wenn sich die Pfändung im Nachhinein als unrechtmäßig erweist."

Schuldnerberaterin: Wohl lange Vorgeschichte

Christa Birkner, die seit vielen Jahren als Schuldnerberaterin in Ahlen tätig ist, geht davon aus, dass die Pfändung eine lange Vorgeschichte hatte. "Ich kenne die zuständigen Personen bei der Stadtverwaltung gut. Die sind nicht für ihre Willkür bekannt", sagt die Mitarbeiterin der Diakonie Gütersloh. In aller Regel ließe sich eine Pfändung durch die Zahlung einer Kleinrate abwenden. "Da reichen auch zehn Euro aus."

Hunde sind auf Besitzer geprägt

Eine alte Labradorhündin wird mit einem Stück Wurst belohnt

Ist ein Hund eine "geldwerte Sache"?

Doch egal, welche Umstände in dem speziellen Fall vorlagen - für Tierschützer ist ein Gesetz, das die Pfändung von Haustieren zulässt, nicht mehr zeitgemäß. Katrin Umlauf vom Deutschen Tierschutzbund ist fassungslos: "Ein Hund ist keine Sache, sondern ein Familienmitglied." Mehr als andere Haustiere sei ein Hund auf seine Bezugspersonen geprägt. "Entfernt man ihn aus seinem gewohnten Umfeld, ist das für ihn mindestens genauso schmerzhaft wie für seine Besitzer."

Auch dass die Stadt den Hund über Ebay-Kleinanzeigen angeboten hat, ist für die Tierschützerin ein Unding. "Es gibt überhaupt keine Kontrolle, in welche Hände der Hund gerät." Für den Tierschutzbund ist nun die Politik gefragt. "Wir fordern: Wenn ein Hund gut gehalten wird, dann sollte eine Pfändung nicht möglich sein. Das ist kein Gegenstand, das ist ein Lebewesen."

Stand: 28.02.2019, 12:12

Kommentare zum Thema

55 Kommentare

  • 55 Anonym 02.03.2019, 09:46 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 54 Gisela 01.03.2019, 21:49 Uhr

    Wie tief muss Deutschland noch sinken, das die Behörden es jetzt schon nötig haben Familienmitglieder zu pfänden. Genausogut hätte man ein Kind pfänden können. Ich schäme mich für diese Behördenaasgeier.

  • 53 Gisela Keck 01.03.2019, 21:46 Uhr

    Wurde doppelt gepostet.

  • 52 Chiliflüsterer 01.03.2019, 21:43 Uhr

    Doppelt gepostet.

  • 51 Chiliflüsterer 01.03.2019, 21:42 Uhr

    Fassungslos!

  • 50 Anonym 01.03.2019, 21:11 Uhr

    Man sollte doch einfach Babies pfaenden - die bringen auf ebay sicher 20.000 ein.... Aber ohne Witz : Es ist beschaemend dass eine Behoerde ein Haustier pfaendet oder wie ich gelesen habe sogar den Rollstuhl des gelaehmten Vaters in Betracht gezogen hatten. aber das ist Deutschland - gnadenlos. Bin froh shon lang nicht mehr da zu wohnen.

  • 49 Heiko 01.03.2019, 18:43 Uhr

    Ich würde mir den Hund zurückholen und dem Verantwortlichen jemanden nachhause schicken

  • 48 Ingrid Eichhorn 01.03.2019, 18:09 Uhr

    Niemals sollte ein Tier dem Halter weg genommen werden. Wenn er das Tier liebt. Ich kann da mitreden, weil mein Kater viel mitgemacht hat . Und nur zu mir vertrauen hat. Ich könnte mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Ich frage mich was hat die Politik damit zu tun. Ein Tier gehört zu seiner Bezugsperson. Mein Kater hat nur drei Beine ist aber glücklich damit.

  • 47 Bärbel Röder 01.03.2019, 17:30 Uhr

    Wenn die dienstbeflissenen Beamten nebst Gefolge an anderer Stelle mal so hart durchgreifen würden, wie bei einem Behinderten,wegen Hundestruer!!! Da gibt es Superreiche die Millionen h interzogen haben!!!

  • 46 Dieter Deutscher 01.03.2019, 12:09 Uhr

    Ob sich nun Schulden bei der Stadt angehäuft haben, ist eine Sache, die andere aber, das es hier um ein Lebewesen geht, nicht um einen anderen Gegenstand, was einen festen Bezug zu seinen Menschen hat. Es war herzlos dieses Tier seinen Menschen weg zu nehmen. Die, die das zu verantworten haben, Euch soll es nur noch schlecht im Leben gehen, und ihr sollt einmal leiden für diese miese Handlung. A

  • 45 Stephan 01.03.2019, 09:32 Uhr

    Oje, das geht in D natürlich gar nicht. Kommt gleich nach dem heilige Blechle... Allerdings kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Tier hier mehr Zuwendung erhalten hat, als in anderer Umgebung als Accessoire!