Mutmaßliche Mobbing-Zwillinge in Herford vor Gericht

Mutmaßliche Mobbing-Zwillinge in Herford vor Gericht

  • Brüderpaar drangsalierte offenbar Mitschüler
  • Vorwurf: 19 Straftaten
  • Eltern gründeten Bürgerinitiative

Ein eineiiges Brüderpaar soll über mehrere Monate am Schulzentrum Melbergen und in der Stadt Löhne Angst und Schrecken verbreitet haben. Seit Donnerstag (02.05.2019) stehen die beiden mutmaßlichen Täter vor dem Herforder Jugendschöffengericht. Ihnen werden inzwischen 20 Straftaten vorgeworfen.

sexuelle Belästigung am zweiten Verhandlungstag

Am Montag (06.05.2019) geht es um die mutmaßliche sexuelle Belästigung eines Achtjährigen. Beim Versteckspielen habe einer der beiden Angeklagten den Grundschüler aufgefordert, sich zu entblößen. Danach habe der 21-Jährige selbst dem Kind sein Geschlechtsteil gezeigt. So steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Am ersten Prozesstag hatten die Zwillinge vieles abgestritten - dabei war es vor allem um Diebstahl, Einbruch und Hausfriedensbruch gegangen.

Zwillinge sollen Schüler beleidigt und bedroht haben

Sie sollen Menschen beleidigt und bedroht haben, sie sollen mehrmals eingebrochen sein und ein Kind sexuell belästigt haben. Die Liste, die die Staatsanwaltschaft an Delikten zusammengetragen hat, ist lang. Vieles soll in der Nähe eines Schulzentrums im Löhner Stadtteil Melbergen passiert sein.

Sicherheitsdienst im Einsatz

Weil die Schüler immer wieder Mitschüler drangsaliert haben sollen, wurde die Schule zeitweise sogar von einem privaten Sicherheitsdienst überwacht. Verängstigte Eltern gründeten eine Bürgerinitiative und brachten das Thema sogar in den NRW-Landtag.

Anwalt kritisiert Vorverurteilungen

Der Anwalt der Angeklagten sieht gerade dies sehr kritisch. Dadurch, dass alles öffentlich diskutiert werde, würden seine Mandanten vorverurteilt. Über Fehler von Menschen zu richten, sei immer noch Sache der Justiz.

Zum Prozessauftakt stritten die Angeklagten mehrere Vorwürfe ab - unter anderem einen Autodiebstahl und einen Wohnungseinbruch. Dass sie ein Schulzentrum nicht hätten betreten dürfen, sei ihnen nicht mitgeteilt worden.

Vorfälle schon seit 2017 vor Gericht

Die jungen Männer saßen im November 2017 schon einmal auf der Anklagebank. Der Richter am Amtsgericht Bad Oeynhausen setzte aber den Prozess aus, um ein psychiatrisches Gutachten anzufordern. Weil das Verfahren inzwischen so umfangreich ist, wird der Fall jedoch nicht mehr von einem Einzelrichter, sondern vor einem Jugendschöffengericht verhandelt.

Stand: 06.05.2019, 11:28