Tabu in der katholischen Kirche: 125 Mitarbeiter bekennen sich als queer

Stand: 24.01.2022, 13:16 Uhr

Mitarbeitende der katholischen Kirche haben sich unter dem Hashtag #OutInChurch versammelt. Sie prangern die Doppelmoral der Kirche an und fordern, das diskriminierende Arbeitsrecht der Institution zu kippen.

Das Personal in Pfarreien, Religionslehre und Caritas bricht ein Tabu in der katholischen Kirche und bekennt sich als queer. So bezeichnen sich nicht-heterosexuelle Menschen, die sich nicht in dem traditionellen katholischen Rollenbild von Mann und Frau wiederfinden.

24.01.2022 WDR5 ARD Film: Wie Gott uns Schuf WDR Studios NRW 24.01.2022 07:21 Min. Verfügbar bis 25.01.2023 WDR Online

Pfarrer Bernd Mönkebüscher aus Hamm, der sich vor zwei Jahren zu seiner Homosexualität bekannte, erklärte, dass die #OutInChurch-Aktion inspiriert sei durch eine "Coming-Out"-Aktion von Schauspielern und Schauspielerinnen.

Darin hatten die damaligen Unterzeichner kritisiert, dass sich viele nicht offen zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen könnten, weil sie dann mit beruflichen Nachteilen rechnen müssten. Das gelte für die katholische Kirche natürlich noch viel stärker, so Mönkebüscher:

"Die Gemeindereferentin, die ihre Freundin heiraten will, verliert ihren Job." Bernd Mönkebüscher
Pfarrer aus Hamm

Verheimlichung seit 40 Jahren

Diese Erfahrung hat auch Monika Schmelter aus Lüdinghausen gemacht. Seit 40 Jahren ist sie mit ihrer Frau zusammen - die Beziehung zu ihr musste sie ebenso lange verheimlichen, weil sie selbst bei der Caritas arbeitete und ihre Partnerin Religionslehrerin war. Auch an ihrem Wohnort seien sie immer nur "dezent" aufgetreten - nie als Liebespaar:

"Das war sehr belastend.»" Monika Schmelter
ehemalige Caritas-Mitarbeiterin

Um nicht entdeckt zu werden, hätten beide lange Anfahrtswege zu ihrer Arbeit in Kauf genommen. Irgendwann sei es aber doch durchgesickert. Daraufhin vertraute sich Monika Schmelter ihrem Chef an. Dieser deckte sie, verlangte jedoch, dass sie ihre Beziehung weiter geheim halten solle:

"Wenn ich das an meinem Dienstort offen gemacht hätte, hätte das zu meiner Kündigung geführt." Monika Schmelter
ehemalige Caritas-Mitarbeiterin

Kirche ohne Angst

Gegen solchen Druck von Seiten der Kirche will die Initiative jetzt mobil machen und die Öffentlichkeit sensibilisieren. Darum trägt die Aktion den Namen #OutInChurch. Für eine Kirche ohne Angst.

Theo Dierkes aus der Religions-Redaktion des WDR hofft, dass durch Aktionen wie #OutInChurch der Reformprozess in der katholischen Kirche in Gang kommt. Der Umgang mit queeren Menschen müsse sich ändern, die Akzeptanz bei den Bischöfen steigen. "Es muss etwas passieren", sagte Dierkes am Montag im WDR.