Missbrauchsopfer der katholischen Kirche warten auf Entschädigung

Missbrauchsopfer der katholischen Kirche warten auf Entschädigungen

Missbrauchsopfer der katholischen Kirche warten auf Entschädigung

Seit Anfang des Jahres können Missbrauchsopfer der katholischen Kirche Anträge auf finanzielle Entschädigung stellen. Die verantwortliche Kommission hat bisher aber erst 120 von bundesweit 1.040 Fällen geschafft.

Dabei wurden die meisten dieser Fälle in einer ersten Runde längst geprüft, momentan läuft die zweite Runde. Was ist passiert, wann, wo und durch wen? Vor einigen Jahren sind durchschnittlich 6.000 Euro an jedes Opfer ausgezahlt worden. Für die Bischöfe eine reine Goodwill-Aktion, denn juristisch lässt sich der Hebel nur selten ansetzen, viele Taten sind verjährt, die Täter verstorben.

Betroffenenbeirat zeigt sich verärgert

Versprochen wurde ein zügiges Verfahren, wo die Opfer eine wertschätzende Anerkennung bekommen“, erzählt Jens Windel vom Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz, und verteilt die Note Sechs für den Prozess.

Auch bei Michael S. ist das so. Mit neun Jahren ist er vom Pfarrer missbraucht worden in einer kleinen Gemeinde des Erzbistums Paderborn. 1977 zog sich sein Martyrium monatelang hin. Der vaterlose Junge hatte dem Mann vertraut. Michael S. hat lange geschwiegen und verdrängt. Erst als der Missbrauchsskandal vor elf Jahren los brach, kam bei ihm alles wieder hoch. Er krempelt die Ärmel hoch, seine Haut ist von Narben durchzogen. Michael S. hat sich extrem geritzt, wurde krank an Leib und Seele.

Gleich im Januar hat er seinen Antrag los geschickt. Das war ein befreiender Tag, erzählt er, denn er möchte endlich abschließen damit. Jetzt aber wartet er, und jeder Tag, jeder Anruf bei der Kommission oder im Erzbistum lässt ich spüren – du bist Opfer!

Missbrauchsopfer müssen lange warten

Margarete Reske von der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen, kann ihm wenig Hoffnung machen. Erst seien die älteren Jahrgänge dran, der 54-Jährige wird sich gedulden müssen. Sie findet, man komme gut voran. Eine Gruppe von Juristen und Medizinern entscheidet bis Summen von 50.000 Euro. Die Leistungen orientieren sich erstmals am Schmerzensgeld, das vor deutschen Gerichten üblich ist.

Jens Windel vom Aktionsbündnis der Betroffeneninitiativen hört eher von Enttäuschungen. Können Summen von 8.000 Euro oder 15.000 Euro gerecht sein -  für schweren sexuellen Missbrauch? Einen Widerspruch sieht das Verfahren nicht vor.

Opfervereine vermissen Transparenz

Ein bisschen schneller mag es jetzt gehen, denn die Bischöfe haben das Verfahren beschleunigt, die Kommission kann klare Fälle auch in kleiner Besetzung verhandeln.

Transparenz und echte Dialoge vermissen die Opfervereine aber bis heute bei den Bischöfen. Deshalb wollen sie, dass der Staat eingreift- mit einer Wahrheitskommission. Die katholische Kirche schaffe das nicht allein, bilanzieren sie.

Jens Windel hat bereits seine Entschädigung erhalten, Michael S. aber ist wütend. „Ich hänge fest in einer Traumatisierungsschleife, sagt er, es hört nie auf!

Stand: 28.05.2021, 13:54