Missbrauchsskandal von Münster weitet sich aus

Neue Festnahmen in Missbrauchsfällen von Münster Lokalzeit Münsterland 30.06.2020 03:13 Min. Verfügbar bis 30.06.2021 WDR Von Christian Schweitzer, Detlef Proges

Missbrauchsskandal von Münster weitet sich aus

  • Durchsuchungen in vier Bundesländern
  • Mehr Tatverdächtige
  • Bislang sieben Opfer

Der Missbrauchsfall von Münster weitet sich aus. Am Dienstagmorgen (30.06.2020) hat es bei einer großen Polizeiaktion in mehreren Bundesländern drei weitere Festnahmen gegeben.

In einer konzertierten Aktion waren 180 Polizeibeamte im Einsatz. In vier Bundesländern gab es Durchsuchungen und Festnahmen: in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen.

Oberstaatsanwalt: Festgenommene kannten Hauptbeschuldigten gut

WDR Studios NRW 30.06.2020 00:34 Min. Verfügbar bis 07.07.2020 WDR Online

Festnahmen in Aachen und Hannover

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft Münster am Mittag mitteilten, handelt es sich bei den jetzt vorläufig Festgenommenen um einen 26-jährigen Mann aus Aachen und zwei 29 und 49 Jahre alte Männer aus Hannover. Gegen einen 29-jährigen Tatverdächtigen aus Heiligenhaus, einen 36-Jährigen aus Langenhagen und einen 52-Jährigen aus Norderstedt werden weitere Ermittlungen geführt.

NRW-Innenminster Herbert Reul sagte im Landtag, damit seien inzwischen 21 Tatverdächtige ermittelt, zehn von ihnen sitzen demnach in Untersuchungshaft.

Auch auf ein weiteres Opfer gibt es jetzt Hinweise. Damit sind im Missbrauchsfall von Münster bislang sieben Kinder bekannt, die sexuell missbraucht worden sein sollen.

Die Rolle des Jugendamtes Münster im Missbrauchsfall Lokalzeit Münsterland 25.06.2020 03:03 Min. Verfügbar bis 25.06.2021 WDR Von Andrea Hansen, Hartmut Vollmari

"Wir werden hier jeden Stein umdrehen"

Vor dem Abriss durchkämmten am Samstag (13.06.2020) Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) für die Polizei den Schrebergarten - auf der Suche nach weiterem Beweismaterial im Missbrauchsfall.

Männer in blauen Arbeitsanzügen vor einer Gartenlaube mit Blumenbeet

Die Polizei hatte Unterstützung vom Technischen Hilfswerk (THW) angefordert, weil dessen Einsatzkräfte sich auf Abbruch von Gebäuden verstehen.

Die Polizei hatte Unterstützung vom Technischen Hilfswerk (THW) angefordert, weil dessen Einsatzkräfte sich auf Abbruch von Gebäuden verstehen.

Doch zunächst untersuchten die Einsatzkräfte mit Metalldetektoren die Beete. Vorstellbar war, dass hier jemand Beweismittel vergraben hatte. Doch das bestätigte sich auch beim Umgraben des Gartens nicht.

Die Einsatzkräfte gruben sich bis auf den Grund des Gartens und transportierten die Erde säckeweise ab.

Dann machten sich die Einsatzkräfte an den mutmaßlichen Tatort, eine Gartenlaube in einer Kleingartenanlage in Münster-Kinderhaus. Jedes Möbelstück wurde noch einmal inspiziert und herausgetragen.

Schließlich rückte der Bagger an und riss das Dach herunter. Die Arbeiten wurden immer wieder unterbrochen, weil Ermittler der Polizei Einzelteile des Hauses näher untersuchen wollten.

Der Ermittlungsleiter der Polizei, Joachim Poll, hatte im Vorfeld erklärt: "Wir werden hier jeden Stein und jedes Brett umdrehen, damit wir wirklich nichts übersehen."

Nach gut acht Stunden hatte sich die Gartenlaube in eine Ruine verwandelt.

Die Arbeiten dauerten bis in den Abend hinein an.

Aus dem Kleingartenverein hieß es, dass diese Parzelle nicht neu verpachtet werden solle.

Stand: 30.06.2020, 20:00