Fall Lügde: Polizei ermittelt jetzt gegen sieben Beschuldigte

Ein Polizeiauto steht vor einem abgesperrten Wohnwagen auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde

Fall Lügde: Polizei ermittelt jetzt gegen sieben Beschuldigte

  • Kindesmissbrauch in Lügde: Sieben Beschuldigte
  • Ein 16-Jähriger soll kinderpornographischem Material aus Lügde besessen haben
  • Auch gegen zwei Polizisten wird ermittelt

In den Fällen von massenhaftem Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde ermittelt die Polizei jetzt gegen insgesamt sieben Beschuldigte. Drei von ihnen werden direkt des sexuellen Missbrauchs von Kindern beschuldigt; ein Weiterer der möglichen Datenmanipulation wegen des Tatverdachts der Strafvereitelung, gab die Staatsanwaltschaft heute (26.02.2019) bekannt.

Darüber hinaus wird gegen zwei weitere Beschuldigte aufgrund möglicher Unterstützungsleistungen wegen des Tatverdachts der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern ermittelt. Ein 16-Jähriger soll überdies kinderpornographisches Material aus Lügde besessen haben.

16-jähriger soll kinderpornographisches Material besessen haben

Auf die Spur das Jugendlichen waren die Ermittler gekommen, nachdem sie bisher beschlagnahmte Computerdateien ausgewertet hatten. Der 16-Jährige soll laut Staatsanwaltschaft kinderpornographisches Material besessen haben, das auf dem Campingplatz entstanden ist. Er wurde vernommen, befindet sich aber wieder auf freiem Fuß. In welchem Verhältnis er zu den übrigen drei inhaftierten Tatverdächtigen steht, ist noch unklar. Das gilt auch für die Frage, ob sich der Jugendliche in der Vergangenheit persönlich auf dem Campingplatz in Lügde aufgehalten hat.

Kein Hinweis auf Polizisten als Täter

Bisher habe es - so die Staatsanwaltschaft am Dienstag (26.02.2019) - keine Hinweise darauf gegeben, dass Polizisten direkt "in die Taten involviert waren oder diese geduldet haben". Allerdings wird weiter gegen zwei Polizisten wegen Strafvereitelung im Amt ermittelt. Die Nachforschungen zu Versäumnissen von Polizeibeamten und Mitarbeitern von Jugendämtern hat inzwischen eine eigene Ermittlungskommission übernommen.

Durchsuchungen in Polizeidienststellen

Unterdessen geht laut Innenministerium die Suche nach dem aus der Kreispolizeibehörde Lippe verschwundenen Koffer mit Beweismitteln weiter. "Die Ermittler haben freie Hand, in sämtlichen Liegenschaften der Polizei in Lippe zu suchen, also auch in den zugehörigen Wachen Detmold, Bad Salzuflen, Lemgo, Blomberg und Lage", so ein Sprecher des Ministeriums. Am Donnerstag (21.02.2019) war bekannt geworden, dass insgesamt 155 CDs und DVDs - also Beweismaterial zum jahrelangen Kindesmissbrauch - aus den Räumen der Kreispolizeibehörde Lippe verschwunden sind.

Polizei will Vertrauen wiedergewinnen im Fall Lügde Lokalzeit OWL 25.02.2019 03:18 Min. Verfügbar bis 25.02.2020 WDR Von Peter Cohrs, Oliver Köhler

Mindestens 31 Kinder missbraucht

Auf dem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen sind nach derzeitigem Ermittlungsstand mindestens 31 Kinder über Jahre hinweg missbraucht und dabei auch gefilmt worden. Die Kinder waren zum Zeitpunkt der Taten zwischen vier und 13 Jahre alt. Die Ermittler gehen von mindestens 1.000 Einzeltaten aus.

Stand: 26.02.2019, 14:00