Missbrauchsfälle Lügde: Chronik des Versagens (2018-2019)

Eine Baumaschine mit Schaufel steht vor einer teils bereits zerstörten Hütte mit olivgrünem Dach.

Missbrauchsfälle Lügde: Chronik des Versagens (2018-2019)

Zehn Jahre lang sollen Kinder auf einem Campingplatz bei Lügde sexuell missbraucht worden sein. Hinweise an Polizei und Jugendämter wurden ignoriert, Beweismittel verschwanden.

Juli 2019: Am Donnerstag (04.07.2019) wird bekannt, dass es einen weiteren Beschuldigten gibt. Es handelt sich um einen 57-jährigen Mann aus Steinheim, wie die Polizei Bielefeld mitteilte.

Weitere Razzia: Die Polizei durchsucht am Mittwoch (03.07.2019) eine weitere Parzelle auf dem Campingplatz.

Mai 2019: Das Magazin "Der Spiegel" berichtet von einem möglichen weiteren Tatort an einem See im thüringischen Nordhausen (24.05.2019). Ein ehemaliger Tauchkamerad berichtete offenbar, dass der Dauercamper aus Lügde zu den Urlauben immer minderjährige Kinder mitgebracht und diese als Nachbarskinder ausgegeben habe.

Februar 2019: Verschwundene Beweise und noch mehr Beschuldigte

Die Zahl der Beschuldigten steigt am Dienstag (26.02.2019) auf sieben. Die siebte Person ist ein 16-Jähriger, der kinderpornografisches Material besessen haben soll. Laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sollen nun auch ältere Verdachtsfälle von Sexualstraftaten auf dem Campingplatz neu aufgerollt werden. "Es sieht aus, dass es noch schlimmer ist, als ich befürchtet habe."

Wenige Tage vorher war bekannt geworden, dass während der Ermittlungen Beweismaterial aus dem Polizeipräsidium Lippe verschwunden ist. Laut Reul handelt es sich um 155 CDs und DVDs aus dem Wohnwagen eines Verdächtigen. Der Innenminister spricht von einem "Polizeiversagen" und einem "Debakel", das ihn "fassungslos" mache. Am Freitag (22.02.2019) bestätigte Reul, dass die Sichtung der Filme, Fotos und Software offenbar durch einen Polizeianwärter, also einen jungen Polizisten in Ausbildung, erfolgt sei. Der Kripo-Leiter der Kreispolizeibehörde Lippe wird suspendiert.

Fall Lügde: "Die Kriminalpolizei ist ausgeblutet"

WDR 5 Morgenecho - Interview 22.02.2019 05:32 Min. Verfügbar bis 22.02.2020 WDR 5

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Januar 2019: Die Polizei wird tätig

Die Polizei verhaftet zwei weitere mutmaßliche Täter: Einen 33-jährigen Mann aus Steinheim im Kreis Höxter und einen 48-Jährigen aus Stade in Niedersachsen. Die beiden stehen im Verdacht, kinderpornografisches Material hergestellt zu haben.

Einer soll sich an den Vergewaltigungen beteiligt haben. Die Ermittler übergeben dem Bundeskriminalamt 13.000 Kinderporno-Dateien.

Die Staatsanwaltschaft Detmold ermittelt nun einerseits gegen die Jugendämter Hameln-Pyrmont und Lippe wegen möglichen Unterlassens oder strafrechtlich relevanten Handelns. Andererseits werde auch geprüft, "ob die Polizei nicht weitere Schritte hätte einleiten müssen", so Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Über eine eingerichtete Hotline gehen weitere Hinweise von Zeugen ein.

November 2018: Festnahme

Eine Zeugin meldet der Polizei in Detmold ihren Verdacht auf Kindesmissbrauch durch den 56-jährigen Mann aus Lügde. Im Dezember wird der Mann festgenommen. Bei Durchsuchungen in den Wohnräumen des Mannes und auf dem Campingplatz in Lügde finden die Ermittler umfangreiches Beweismaterial.

2018: Mutmaßlicher Täter zieht in Wohnung um

Der Haupttatverdächtige zieht nach 30 Jahren auf dem Campingplatz in eine Wohnung um - und vergewaltigt dort und in der Baracke nach bisherigen Erkenntnissen weiter Kinder.

Versagen bei Missbrauchsfällen in Lügde

Stand: 04.07.2019, 13:45