Missbrauch in Lügde: Pflegekind hat ausgesagt

Rechtsanwalt Bogner, die Angeklagten Mario S. und Andreas V. sowie Rechtsanwalt Salmen (von links)

Missbrauch in Lügde: Pflegekind hat ausgesagt

Von Markus Rinke

  • Auch die Pflegetochter sagt aus
  • Zwei Zeuginnen sagen ab
  • Richterin zitiert aus Mails

Im Prozess um die Missbrauchsfälle von Lügde hat am Freitag (12.07.2019) unter anderem die acht Jahre alte Pflegetochter des Hauptangeklagten ausgesagt. Im Wesentlichen habe sie die Aussagen bestätigt, die sie schon bei der Polizei gemacht habe, erklärt ihr Anwalt Cornelius Pietsch: "Ansonsten herrschte Sprachlosigkeit vor, wie auch bei mir." Pietsch beschreibt die Situation als bedrückend. Seine Mandantin lebe jetzt in einer Einrichtung und werde weiter therapiert. Sie werde noch lange nicht begreifen, was der Angeklagte Andreas V. ihr angetan habe.

Richterin zitiert aus Mails

Bereits am Vormittag des fünften Prozesstages zitierte die Vorsitzende Richterin, Anke Grudda, aus E-Mails zwischen dem Beschuldigten und den mutmaßlichen Opfern. Sie geben einen Einblick, wie sich der Angeklagte vermutlich die Zuneigung seiner Opfer erkauft hat. "Hey Papabär", so lautet die Anrede in vielen Mails, die eine Zeugin an den Angeklagten Andreas V. schrieb. Die Vorsitzende Richterin am Landgericht Detmold, Anke Grudda, zitiert aus einer Reihe von Mails, die der Angeklagte von seinen mutmaßlichen Opfern bekommen und geschrieben hatte.

Missbrauch in Lügde: Opfer-Anwältin Anke Blume

Missbrauch in Lügde: Opfer-Anwältin Anke Blume

Über Wochen, so geht es aus den E-Mails hervor, habe Andreas V. den Kindern zum Beispiel versprochen, ein Handy oder einen Computer zu besorgen. Dabei wurden die Kinder offensichtlich hingehalten. Gleichzeitig forderte der Angeklagte die Zuneigung der Kinder ein: "Er habe keine Küsschen bekommen", so ein Zitat aus einer Mail.

Gericht befragt weitere Zeugen

Ursprünglich sollten im Prozess um die Missbrauchsfälle von Lügde am Freitag (12.07.2019) sechs Zeugen gehört werden. Zwei Zeuginnen haben aber abgesagt.

Opfer fühlen sich schuldig

Anke Blume, die Anwältin dieser Zeuginnen, die eigentlich aussagen wollten, verlas eine Erklärung der mutmaßlich Geschädigten. Darin machte sie deutlich, wie schwierig es ist, über die Geschehnisse zu sprechen.

"Es war sehr peinlich, ich habe mich unwohl gefühlt und wusste nicht damit umzugehen", liest Anke Blume vor - und weiter: "Sie habe sich gefühlt, als ob die Welt sie sehen könne und sie schäme sich dafür." So beschreibt ein mutmaßliches Opfer die Situation mit Andreas V.. Anke Grudda, die Vorsitzende Richterin, stellt anschließend klar, dass sich die Aussage offensichtlich auf das Filmen mit einer Webcam bezog. Für die Anwältin ist das ein typisches Beispiel, dass viele Opfer die Schuld bei sich suchen.

Fortsetzung Anfang August

Der Prozess wird am 01.08.2019 fortgesetzt. Bereits vorher findet am Mittwoch (17.07.2019) die Verhandlung gegen Heiko V. statt. Möglicherweise gibt es dann bereits ein Urteil für den Mann aus Niedersachsen.

Stand: 12.07.2019, 16:42