Missbrauch Lügde: Angeklagte verzichten auf letzte Worte

Missbrauch Lügde: Angeklagte verzichten auf letzte Worte

  • Plädoyers von Nebenklägern und Verteidigung
  • Angeklagte geben kein letztes Wort ab
  • Verteidiger von Andreas V. fordert 12 Jahre

Der Verteidiger des Angeklagten Andreas V., Johannes Salmen, hat eine Haftstrafe von zwölf Jahren für seinen Mandanten gefordert. Vor allem mit dem Geständnis begründete der Verteidiger das geringere Strafmaß.

Der Anwalt von Mario S. verzichtete bewusst darauf, ein konkretes Strafmaß zu benennen: "Ich habe das Gericht nur gebeten, aufgrund des Geständnisses das größtmögliche Entgegenkommen dem Angeklagten gegenüber zu zeigen", sagte Bogner. Ein Grund sei auch, dass man sich im zweistelligen Bereich bewege.

Sicherungsverwahrung wahrscheinlich

Außerdem müssen die Angeklagten mit einer Sicherungsverwahrung rechnen. "Durch die Ausführungen der Sachverständigen müsste jedem Juristen im Saal klar geworden sein, dass beide Angeklagte nicht an der Sicherungsverwahrung vorbeikommen", so Bogner. Dies bedeute eine Verschlimmerung der Freiheitsstrafe, so der Jurist. Eine Einschätzung, die offenbar auch Johannes Salmen teilt: "Man könnte argumentieren, wenn nicht in diesem Fall, wann dann?"

Staatsanwalt-Plädoyer im Lügde-Prozess

WDR aktuell - Der Tag 16.08.2019 10:10 Min. Verfügbar bis 15.08.2020 WDR 3

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Andreas V. macht gesünderen Eindruck

Auch am zehnten Prozesstag versteckte sich der Angeklagte Andreas V. wieder hinter einem Aktenordner. Allerdings kam er, anders als beim letzten Mal, ohne Hilfe in den Gerichtssaal. Mario S. zeigte sich dagegen wieder offen. Die Angeklagten haben sich nicht geäußert. Wie weite Teile des Prozesses fand auch der letzte Tag vor der Urteilsverkündung weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Informationen kamen vor allem von den Anwälten der Ankläger und der Verteidigung.

Nebenkläger zufrieden mit Prozessverlauf

Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Haft für Andreas V. und 12,5 Jahre für Mario S. gefordert. Thorsten Fust, einer der Opferanwälte, ist mit dem Prozessverlauf zufrieden: „Das Gericht hat alles in sehr weiser Entscheidung geregelt.“ Die Kinder hätten aussagen können, aber nicht müssen. Opferanwalt Peter Wüller hofft, dass das Verfahren dazu beitrage, dass das Thema Kindesmissbrauch sensibler betrachtet wird: "Die Taten haben sich auf einem öffentlichen Campingplatz ereignet. Ich vermute, da haben Leute bewusst weggeguckt." Am Donnerstag (05.09.2019) will die Vorsitzende Richterin, Anke Grudda, das Urteil verkünden.

Stand: 30.08.2019, 10:58