Anwalt widerspricht möglicher Erpressung im Missbrauchsfall Lügde

Polizeiabsperrung auf dem Campinpgplatz Lügde

Anwalt widerspricht möglicher Erpressung im Missbrauchsfall Lügde

Von Oliver Köhler und Tim Belke

  • Mutter soll Hauptangeklagten erpresst haben
  • Anwalt des Angeklagten stellt Strafanzeige
  • Anwalt der Mutter dementiert die Vorwürfe

Der Hauptbeschuldigte Andreas V. hat am Dienstag (09.07.2019) Strafanzeige gegen die Mutter eines betroffenen Kindes gestellt. Sie soll 500 Euro und später 2.000 Euro von ihm gefordert und im Gegenzug ihr Schweigen angeboten haben. Der Anwalt der Mutter widerspricht dieser Darstellung.

"Vielleicht denkt der Angeklagte ja, dass die Mutter jetzt dafür verantwortlich ist, dass ihm sein Pädophilen-Eldorado in Elbrinxen zerstört worden ist", mutmaßt Anwalt Roman von Alvensleben über den Vorwurf der Erpressung. "Er tritt jetzt aus dem Knast noch mal nach und verletzt dadurch die Geschädigten noch mehr. Er versucht wieder zu manipulieren, zu beeinflussen mit den fiesen Mitteln, die ihm noch zur Verfügung stehen", so von Alvensleben.

Er habe mit seiner Mandantin gesprochen und sie habe die Anschuldigungen als Lüge bezeichnet. Es gebe auch keinen Anhaltspunkt dafür, wann, wie und wo eine Erpressung stattgefunden haben soll. Offenbar solle jetzt die Frau an den Pranger gestellt werden, die den Mut hatte, den ganzen Fall öffentlich zu machen. Dafür habe er überhaupt kein Verständnis, sagte Anwalt von Alvensleben dem WDR.

"Dieser Mann erzählt hier im Gerichtssaal, die achtjährigen Kinder hätten das gewollt und es hätte ihnen Spaß gemacht. Wenn man sich auf die Ebene begibt, zu glauben, was der Angeklagte jetzt in diesem Zusammenhang erzählt, dann mag das derjenige tun, der das möchte - ich jedenfalls nicht." Der Anwalt bereitet eine Gegenanzeige vor.

Staatsanwaltschaft Detmold bestätigt Eingang der Strafanzeige

Inzwischen bestätigt die Staatsanwaltschaft Detmold den Eingang einer Strafanzeige wegen Erpressung. Ob die Strafanzeige in irgendeiner Art Einfluss auf den laufenden Missbrauchsprozess am Landgericht Detmold habe, ließ die Sprecherin der Staatsanwaltschaft offen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags kam die beschuldigte Mutter nicht zu Wort. Der WDR hat jetzt mit ihrem Anwalt gesprochen: Dieser dementiert im Namen seiner Mandantin den Vorwurf der Erpressung.

Stand: 12.07.2019, 15:15