Viele Fragen nach Polizeiversagen im Missbrauchsfall Lügde

Viele Fragen nach Polizeiversagen im Missbrauchsfall Lügde

Von Ingo Neumayer

  • Beweismittel im Missbrauchsfall in Lügde verschwunden
  • Was sich auf den Datenträgern befand, steht nicht fest
  • Innenminister setzt Sonderermittler ein

Was genau ist verschwunden?

Laut Polizeiangaben fehlen ein Alukoffer und eine Hülle mit insgesamt 155 Datenträgern in Form von CDs und DVDs. Diese wurden im Wohnwagen eines der Verdächtigen beschlagnahmt und das letzte Mal am 20. Dezember 2018 gesehen. Das Verschwinden wurde aber erst am 30. Januar 2019 bemerkt.

Was befand sich auf den Datenträgern?

Das lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit sagen. Laut Innenminister Herbert Reul (CDU) seien nur drei der 155 Datenträger ausgewertet und digital gesichert worden. Wie Reul dem WDR sagte, sei dabei nichts Verdächtiges gefunden worden.

Auf den Datenträgern hätten sich hauptsächlich Installationssoftware, Musik und Filme befunden. Auch Fotos wie ein Bild eines schlafenden Mädchens sowie von Tauchübungen im Hallenbad seien auf den CDs gespeichert gewesen.

Reul zu verschwundenem Beweismaterial: "Das macht mich wirklich fassungslos"

WDR 2 22.02.2019 03:55 Min. Verfügbar bis 22.02.2020 WDR 2

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Fall Lügde: "Die Kriminalpolizei ist ausgeblutet"

WDR 5 Morgenecho - Interview 22.02.2019 05:32 Min. Verfügbar bis 22.02.2020 WDR 5

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Allerdings bleibt die Frage offen, ob die Daten vorschriftsgemäß ausgewertet wurden. Reul bestätigte am Freitag (22.02.2019), dass der Transport und die Sichtung der Daten durch einen Polizeianwärter vorgenommen wurde.

Der Bielefelder Anwalt von vier Opfern, Peter Wüller, geht davon aus, dass sich durch den Verlust der CDs "schlimmste Taten" möglicherweise nicht mehr aufklären lassen.

Wie ist der Ermittlungsstand der Behörden?

Am Freitag teilte die Staatsanwaltschaft Detmold mit, dass sie derzeit davon ausgeht, dass die Asservate "nicht entwendet wurden". Stattdessen nimmt die Behörde an, dass die Beweismittel "aufgrund nachlässigen Umgangs nicht auffindbar sind". Insbesondere werde die Möglichkeit geprüft, ob die Datenträger mit Asservaten aus anderen Verfahren vermischt und so an andere Stellen weitergegeben wurde.

Wie ist der Zugang zu den Diensträumen geregelt?

Beweismittel müssen laut Asservatenordnung in einem geschlossenen Raum aufbewahrt werden. Asservate dürfen nur nach einer entsprechenden Anordnung ausgegeben werden, etwa zur Sichtung. In einem solchen Sichtungsraum befand sich der Koffer zum Zeitpunkt des Verschwindens.

WDR-Informationen zufolge sollen in der Behörde Handwerker tätig gewesen sein, die sich in dem Gebäude frei bewegen konnten. Ob das auch zum Zeitpunkt des Verschwindens der Daten der Fall war, stand zunächst nicht fest.

Werden standardmäßig Sicherungskopien von relevanten Daten erstellt?

Normalerweise ist es üblich, sichergestellte Daten zu "spiegeln", also an einem anderen Speicherort zu sichern und dann dort auszuwerten. Ob und wie genau diese Vorgehensweise angewandt wurde, stand zunächst nicht fest.

Stand: 22.02.2019, 10:56