Lügde: Was wird aus Ermittlungen gegen Behörden?

Lügde: Was wird aus Ermittlungen gegen Behörden?

Von Christian Wolf und Boris Baumholt

  • Neue Erkenntnisse im Missbrauchsfall von Lügde
  • Generalstaatsanwaltschaft zweifelt an Anfangsverdacht gegen Behörden
  • Innenminister Reul greift Behörden an

Im Missbrauchsfall von Lügde könnte das Verhalten von Jugendämtern und der Polizei ohne rechtliche Konsequenzen bleiben. Das geht aus einem vertraulichen Bericht des Innenministeriums an den NRW-Landtag hervor, der dem WDR vorliegt.

Darin wird eine Einschätzung der Generalstaatsanwältin aus Hamm von Anfang Februar zitiert. "Nach meiner Bewertung rechtfertigt der berichtete Sachstand nicht die Annahme des Anfangsverdachts strafrechtlich relevanten Verhaltens gegen Beamte der Kreispolizeibehörde Lippe und Mitarbeiter der Jugendämter der Kreise Hameln und Bad Pyrmont."

Noch keine Entscheidung

Dabei handelt es sich um eine Einschätzung der übergeordneten Generalstaatsanwältin, nicht um eine Entscheidung. Die zuständige Oberstaatsanwaltschaft Detmold ermittelt weiterhin.

Darauf weist auch die Generalstaatsanwaltschaft auf WDR-Anfrage hin. Die skeptische Einschätzung wird so erklärt: In einem ersten Bericht aus Detmold seien "nicht alle für die strafrechtliche Bewertung relevanten Gesichtspunkte" zu erkennen gewesen. Es sei ein ergänzender Bericht angefordert worden, der noch nicht vorliege. Soll heißen: Die Einschätzung von Anfang Februar könnte sich ändern.

Drei Männer in U-Haft

30.01.2019, NRW Lügde: Ein Polizeiabsperrband hängt auf dem Campingplatz Eichwald.

Auf diesem Campingplatz lebte der Hauptverdächtige

Über Jahre sollen Kinder auf einem Campingplatz in Lügde (Kreis Lippe) sexuell missbraucht worden sein. Drei Männer sitzen in Untersuchungshaft. Auch die Arbeit der Behörden ist in den Fokus geraten. Bei dem Hauptbeschuldigten lebte ein Pflegekind und schon 2016 gab es Hinweise auf sexuellen Missbrauch.

Jugendämter und Polizei im Fokus

So wird gegen Mitarbeiter der Jugendämter wegen des Anfangsverdachts der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht ermittelt. Dabei geht es um einen Hinweis, dass der Hauptbeschuldigte stark sexualisierte Bemerkungen in Bezug auf seine Pflegetochter gemacht haben soll. Dies blieb ohne Konsequenzen.

Sexueller Missbrauch: Wie Jugendämter Hinweise überprüfen

WDR 2 | 30.01.2019 | 03:26 Min.

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Auch bei der Polizei waren Hinweise eingegangen. Ein Mann sagte aus, der Hauptbeschuldigte habe ihm gesagt, er fände es schön, "wenn er kleine Mädchen, die mit Röckchen bekleidet wären, auf den Schultern tragen würde und diese dabei 'schwitzten'".

Folgenlos blieben auch die Hinweise einer Mitarbeiterin des Jobcenters Blomberg an die Polizei. Demnach soll der Mann gesagt haben, sein Pflegekind mache ihn "erst heiß, will kuscheln und dann doch nicht." Das Mädchen solle sich "nicht so anstellen", "für Süßigkeiten würde 'Die' aber alles machen".

Herbert Reul beantwortet Fragen von Journalisten.

Innenminister Herbert Reul

Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte am Donnerstag dem WDR, unabhängig von den Ermittlungen sei es "offenkundig", dass bei den Behörden "nicht alles richtig gelaufen ist". Im Ausschuss ergänzte Reul: "Meine Oma hätte gemerkt, dass da was nicht stimmt." Abseits der juristischen Verfahren gebe es gegen die beschuldigten Polizisten Disziplinarverfahren.

Stand: 14.02.2019, 17:00