Mehr Missbrauchsopfer in Rhede melden sich

Mehr Missbrauchsopfer in Rhede melden sich

  • Vorwürfe gegen verstorbenen Kaplan
  • Versetzt, aber nicht entlassen
  • Bischof Genn verurteilt Taten

Vor zwei Monaten hatte das Bistum in einer öffentlichen Veranstaltung die Mitglieder der katholischen Gemeinde "Heilige Familie" über die Taten und den Werdegang des Kaplans informiert. Seitdem gibt es auch eine neue Selbsthilfegruppe. Deren Leiter, Martin Schmitz, geht davon aus, dass allein in Rhede mehr als 20 Personen betroffen sind.

"Geheimnis des Bösen"

Vier Betroffene kommen auch aus Bockum-Hövel. Das Bistum hatte den Kaplan in den Siebziger Jahren nach neuen Verdachtsfällen von Rhede hierher versetzt, obwohl der Kaplan schon Jahre zuvor zu einer Bewährungsstrafe wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden war. Er wurde aber nicht entlassen, sondern als Priester in andere Gemeinden versetzt. Bischof Felix Genn macht dafür seinen Vorgänger, den verstorbenen Bischof Reinhardt Lettmann, verantwortlich: "Ich stehe bei jedem Fall vor einem Erschrecken", sagt Bischof Genn. "Wie kann das möglich sein, dass Priester, die sich haben ausbilden lassen, die einen ganz besonderen Weg der Reifung gegangen sind, dann trotzdem so was tun? Das ist für mich auch ein Stück Geheimnis des Bösen."

Austrittswelle nach Missbrauch

Der inzwischen verstorbene Priester habe auch dem Ruf der Kirche massiv geschadet, so der Bischof. Seit Bekanntwerden des Falls sind nach Angaben des Amtsgerichts Borken 530 Katholiken im Kreis Borken aus der Kirche ausgetreten, ein rasanter Anstieg. "Und ich kann es verstehen, wenn die Leute den Laden verlassen", sagt Bischof Felix Genn. Er bitte darum, dass sie es nicht tun, aber "ich kann das verstehen".

Das Bistum will jetzt die Präventionsschulungen weiter ausbauen. Daran will auch der Bischof teilnehmen.

Stand: 24.01.2019, 08:44