Millionen für misshandelte Heimkinder in Westfalen-Lippe

Eine Frau schlägt ein Kind mit einem Teppichklopfer

Millionen für misshandelte Heimkinder in Westfalen-Lippe

  • Entschädigungszahlungen in Höhe von 24,6 Millionen Euro vermittelt
  • Opfer erlitten Gewalt und Misshandlungen
  • Anlaufstellen weiter geöffnet

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat an knapp 2.000 ehemalige Heimkinder Leistungen in Höhe von 24,6 Millionen Euro weitergegeben. Wie der LWL am Mittwoch (09.01.2018) in einer Pressemitteilung erklärte, betrifft die Zahlung und die Verteilung von Sachleistungen Menschen, die in der Zeit von 1949-1975 in Kinderheimen misshandelt wurden.

Mit rund 2.000 Betroffenen sind Vereinbarungen über Rentenersatz- und Sachleistungen abgeschlossen worden, so der LWL. Das Geld stammt aus einem Fonds, den Bund, Länder und Kirchen vor vier Jahren zur Unterstützung ehemaliger Heimkinder eingerichtet hatten.

Heimkinder mussten Schwerstarbeit leisten

Ein älterer Mann mit grauen Haaren und schwarzer Mütze

Heinz-Jürgen Kriebel musste als Heimkind Schwerstarbeit leisten

Einer von ihnen ist der 70-jährige Heinz-Jürgen Kriebel aus Lünen. Er kam als 15-jähriger Junge zum ersten Mal in ein Heim der Diakonie, insgesamt lebte er in den sechziger Jahren in vier Heimen in Westfalen-Lippe. Dort musste er Schwerstarbeit leisten, z.B. aus Felsgestein Schotter für den Bau einer Straße schlagen. Einen Lohn hat er dafür nie bekommen. Als Rentenausgleich hat er nun 13.000 Euro vom LWL erhalten - "das ist nicht mehr als eine Geste", sagt er. "Mit Geld ist das nicht zu bezahlen."

Opfer wollen endlich gehört werden

So wie ihm geht es vielen Betroffenen: Wichtiger als das Geld sei es, endlich gehört zu werden, so LWL-Jugenddezernentin Birgit Westers: "Oft sprachen Betroffene das erste Mal über ihre Vergangenheit und erlebte Gewalt und Misshandlung."

Kein Geld mehr im Fonds

Für das Land Nordrhein-Westfalen gibt es zwei Anlaufstellen für die Opfer in Münster und in Köln. Allein an die Beratungsstelle beim LWL hatten sich bis Ende des vergangenen Jahres fast 3.000 Menschen gewandt. Die Anlaufstellen bleiben auch weiterhin geöffnet. Leistungen aus dem Fonds gibt es allerdings nicht mehr.

Studie zum Leid von Heimkinder

WDR Religion 26.06.2016 05:45 Min. WDR 5

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Stand: 10.01.2019, 20:00