Methadon gegen Krebs: Warnung vor falschen Hoffnungen

Chefärzte Naumann (links), Melekian: Keine klinischen Studien

Methadon gegen Krebs: Warnung vor falschen Hoffnungen

Die meisten Ärzte hielten derzeit nichts davon, Methadon gegen Krebs einzusetzen. Es gebe keinerlei Studien zur Wirksamkeit dieser Therapie, betonten Ärzte des Siegener St.-Marien-Krankenhauses am Mittwoch (20.09.2017).

Außerdem habe Methadon viele Nebenwirkungen und sei nicht für die Krebsbehandlung zugelassen, erklärte Chefarzt Badrig Melekian. Methadon stehe wie "alles, was angeboten wird und mutmaßlich wirksam sein soll", im Fokus der Patietnten. "Aber man muss sagen, dass es die Wundermedizin bis heute nicht gibt. Und das wird auch Methadon ganz sicher nicht sein."

Das Marien-Krankenhaus wolle sich aber gerne an einer klinischen Studie zum Methadon-Einsatz gegen Krebs beteiligen.

Der Hausarzt und Palliativmediziner Josef Hilscher aus Iserlohn kann sich unterdessen vor Anfragen kaum retten: Seit Jahren setzt er Methadon im Kampf gegen den Krebs ein.

Keine Studien, weil kaum Gewinnaussicht?

Eine Ulmer Chemikerin hatte bereits vor fast zehn Jahren dargelegt, dass Methadon die Wirkung von Chemotherapien verstärke. Bei einzelnen Patienten mit bösartigen Krebsarten wie Gehirntumor oder Speiseröhrenkrebs, die als unheilbar krank galten, sei der Krebs nach einiger Zeit verschwunden.

Das Opioid wird eigentlich in der Schmerz- und Drogenersatztherapie eingesetzt. Das ARD-Magazin Plusminus hatte im April 2017 über Erfolge mit Methadon während der Chemotherapie berichtet. In der Sendung wurde auch behauptet, es gebe noch keine klinischen Studien, weil Methadon billig in der Anwendung ist und die Pharmakonzerne damit keine großen Gewinne erzielen könnten.

Stand: 20.09.2017, 14:08