Maskenproduktion in Südwestfalen stockt

Maskenproduktion in Südwestfalen stockt 03:20 Min. Verfügbar bis 17.09.2022

Maskenproduktion in Südwestfalen stockt

Masken "Made in Germany" waren gefragt. Die Firma Schneider Technologies in Lennestadt hat dafür eine eigene Produktionsanlage entwickelt. Jetzt fehlen die Aufträge.

Bei Schneider Technologies in Lennestadt können FFP2-Schutzmasken in großen Mengen produziert werden. Drei Produktionsstraßen hat das Unternehmen eingerichtet. Die Realität sieht aber anders aus: Nur eine von drei Produktionsstraßen läuft - ab und zu mal. Das Problem: Man geht wieder zurück in den chinesischen Einkauf.

Person in iner Firma

Der Import aus China ist oft billiger als der Abkauf von deutschen Unternehmen. "Wir haben preislich keine Chance. Wir sind enttäuscht, aber auch verärgert und haben Angst um die Existenz des Unternehmens", sagt Spezialmaschinenbauer Stephan Schneider.

Große Summe in Anlage investiert

Insgesamt 6 Millionen Euro haben die Sauerländer in die Produktionsanlage investiert. 1,5 Millionen wurden vom Bund bezuschusst. Damit sollte die deutsche Produktion angekurbelt werden. Die Not war groß, die Masken wurden dringend gebraucht.

Das Lennestädter Unternehmen sah ein neues Geschäftsfeld für eine vollautomatische Produktion und entwickelte eine der schnellsten Anlagen der Welt. "Wir produzieren mit einer Stückzahl von 120 pro Minute - vom Vlies in die Verpackung", so Mitarbeiter Michael Heinl.

Zertifizierung läuft über den TÜV-Nord

Dabei hatte Schneider Technologies bei der Entwicklung seiner Qualitäts-Maske an alles gedacht: Alle Vormaterialien kommen aus Deutschland. Sogar die Zertifizierung läuft über den TÜV-Nord. Damit in einem neuen Pandemiefall alle Materialien von den eigenen Lkw abgeholt werden können.

Aber dieser Plan geht nicht auf. Der Markt ist inzwischen gesättigt, die FFP2-Maskenpflicht in vielen Bereichen aufgehoben. Das Bundeswirtschaftsministerium möchte für das Desaster nicht verantwortlich sein.

Maskenproduktion

"Ob ein Unternehmen in die Produktion von Schutzmasken investiert, ist eine unternehmerische Entscheidung - auch im Fall einer anteiligen Bundesförderung. Eine Abnahmegarantie des Bundes für die produzierten Schutzmasken gab es von Beginn an nicht", so das Bundeswirtschaftsministerium.

Diese Aussage kann und will Firmeninhaber Stephan Schneider nicht akzeptieren. Er möchte den Bund nicht aus der Verantwortung lassen: "Man bekommt das Gefühl, dass man selbst Schuld ist, obwohl man durch die Bundesregierung eigentlich dazu aufgefordert wurde, eben in solche Produktionskapazitäten zu investieren.“

Bund will Gesundheitsreserve aufbauen

Der Spezialmaschinenbauer hofft jetzt auf die Notfallreserve. Der Bund hatte Ende letzten Jahres beschlossen, an 19 Standorten eine nationale Gesundheitsreserve aufzubauen. Hier sollen wichtige Materialien, wie Schutzmasken, gelagert werden.

Bis Ende 2021 sollen die Lager vor allem mit bereits beschafften Masken gefüllt werden. Dorthin will auch Stephan Schneider seine Masken liefern.

Stand: 17.09.2021, 11:04