Viele Menschen ohne Krankenversicherung

Lokalzeit Münsterland 18.01.2022 02:15 Min. Verfügbar bis 18.01.2023 WDR Von Nicole Albers

Krank, aber nicht versichert - Malteser helfen in Münster

Stand: 19.01.2022, 08:58 Uhr

Die Zahl bleibt hoch: Auch im vorigen Jahr haben Ärztinnen und Ärzte des Malteser Hilfsdienstes in Münster rund 250 Menschen betreut, die keine Krankenversicherung haben.

Einmal pro Woche bieten die Malteser eine Sprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung an. Eine, die Hilfe braucht, ist Julie, sie ist 24 Jahre alt und stammt aus Kamerun. Über Italien ist sie kürzlich nach Deutschland gekommen, hier lebt auch ihr Bruder.

Ein Behandlungszimmer einer gynäkologischen Praxis

Julie brauchte dringend eine Schwangerschaftsvorsorge

Julies Aufenthaltsstatus ist noch ungeklärt, eine Krankenversicherung hat sie nicht, doch sie braucht jetzt medizinische Hilfe, denn sie ist schwanger. "Es ist mein erstes Kind, der Vater ist weg und ich wusste nicht, an wen ich mich wenden kann." Im Internet stieß ihr Bruder auf das Angebot der Malteser.

Sprechstunde jeden Dienstag

Gynäkologin Corudla Stening in Nahaufnahme

Stening kümmert sich um Menschen ohne Krankenversicherung

Jeden Dienstag von 10 bis 14 Uhr ist die Praxis geöffnet. Sieben Mediziner arbeiten hier abwechselnd ehrenamtlich, Gynäkologen, Kinder- und auch Allgemeinärzte. Seit fünf Jahren gehört auch die Gynäkologin Cordula Stening zum Team. Aus Überzeugung, erzählt sie: "Weil ich es sinnvoll finde, es ist wichtig, dass die Leute versorgt werden und es ist einfach erfüllend, hier zu arbeiten."

"Ohne Spenden würde es nicht funktionieren"

Offene Wunden, Herz-Kreislaufprobleme, Zahnschmerzen, zu hoher Blutdruck – das Behandlungsspektrum ist groß, doch "wir haben unsere fünf Sinne, wir können die Leute untersuchen, Blutdruck messen, wir haben ein Ultraschallgerät und viele überweisen wir dann weiter an Fachärzte", erzählt die 68-jährige Medizinerin.

Sprechstundenschild vor einer Arztpraxis

Rund 250 Menschen haben 2021 das Angebot genutzt

Pro Jahr kommen etwa 250 Menschen zur Sprechstunde. "Das größte Problem ist dabei die Finanzierung", erzählt die Koordinatorin, die Ärztin Gabrielle von Schierstaedt. Ohne Spenden würde die Hilfe nicht funktionieren.

Das wichtigste Ziel: eine Krankenversicherung

Doch die Unterstützung geht über das Medizinische hinaus. Die Malteser arbeiten eng mit der Clearingstelle "Klar für Gesundheit" der Caritas und der Flüchtlingshilfe GGUA in Münster zusammen. Sozialarbeiter beraten die Patienten mit dem Ziel, für diese eine Regelversorgung zu ermöglichen. In mehr als 70 Prozent der Fälle klappt das auch.