Kinomusik aus dem Sauerland

Lukas Steinberg, Filmmusik-Komponist aus Attendorn

Kinomusik aus dem Sauerland

Von Christian Hoeper

Lukas Steinberg aus Attendorn produziert Filmmusik. Das war immer sein Traum. Im Interview erzählt der Sauerländer, wie er zum Komponisten wurde - und wie seine Musik es zu Netflix geschafft hat.

Lukas Steinberg, Filmmusik-Komponist aus Attendorn

Lukas Steinberg, 27 Jahre alt. Der Attendorner ist hauptberuflicher Erzieher und macht seit seiner Kindheit Musik. Er spielt Posaune, E-Bass, Klavier und produziert an seinem Laptop, Filmmusik.

WDR: Lukas, ein großes Jahr für dich. "Der Dritte Gast" ist der erste Kinofilm, für den du die Musik komponierst. Wie hat das mit der Musik bei dir angefangen?

Lukas Steinberg: Mit Musik ging es sehr früh los: musikalische Früherziehung, Blockflöten-, später Posaunen-Unterricht. Aber Filmmusik zu schreiben ist ein riesen step für mich. Auf meinem ersten MP3-Player war schon eher Hans Zimmer als aktuelle Pop-Hits. Hab halt immer privat geschrieben: für die Band, in der ich spielte, Bläsersätze arrangiert, später in Orchestern.

2019 ging das dann los mit ersten Kurzfilmen. Hab mich in Facebook-Gruppen angemeldet, Kontakte bis in die USA geknüpft. Durch Corona hatte ich die Zeit, mir Software und Equipment anzueignen. Als dann 2021 kam und wieder Filme produziert wurden, war ich soweit.

WDR: Du spielst mehrere Instrumente, hast Bühnen- und Orchestererfahrung - und jetzt komponierst du ein ganzes Orchester, alleine am PC. Das wäre vor ein paar Jahren nicht möglich gewesen.

Lukas Steinberg, Filmmusik-Komponist aus Attendorn

Lukas arbeitet mit dem Programm "Cubase".

Steinberg: Da hat sich auch einiges in der Qualität von Sound-Libraries getan. Ich produziere meine Filmmusik im Homestudio, komplett am Laptop. Zuerst tippe ich die Noten ein, wie ich sie im Kopf habe. Die übertrage ich dann in ein Musikproduktions-Programm. Dort wird am Sound gefeilt.

WDR: Wobei du dann ja - bis auf die Tatsache, dass alles digital passiert - nicht anders komponierst als zu Zeiten Beethovens. Wie kriegst du es hin, das Software-Orchester echt klingen zu lassen?

Steinberg: Theoretisch schon, also ich könnte die Noten drucken und dann ein echtes Orchester spielen lassen. Das wär auch noch so ein nächster Traum. Auf meinem Level - überwiegend Kurzfilme - ist es aber normal, ein Software-Orchester spielen zu lassen. Weil das Budget einfach fehlt.

Wir holen das Beste raus, klappt gut. Es kommen Effekte drauf: Störgeräusche, Equalizier, Kompressoren. Man baut das Orchester um sich herum. Wo sitzt wer? Was muss von wo kommen? Da ist die Erfahrung aus dem echten Orchester sehr hilfreich.

WDR: Was sind deine nächsten Ziele, Projekte? Hören wir deine Musik bald vielleicht in einer Hollywood-Produktion?

Steinberg: Das ist noch ein weiter Weg. Mal gucken wo die Reise hingeht, ich hab noch meinen Hauptberuf als Erzieher und so nebenbei macht die Musik sehr viel Spaß. Allerdings gibt es auch schon das nächste Projekt: Es geht um eine deutsche Serie, eine Pilotfolge. Die wollen die Macher bei Netflix einreichen. Mit etwas Glück wird die Serie dort fortgesetzt.

Das Interview führte Christian Hoeper.

Stand: 12.08.2021, 18:09