Fall Lügde: Sonderermittlerin attestiert Jugendamt Hameln schwere Fehler

Aktenordner mit der Aufschrift "Lügde" liegen auf dem Tisch eines Anwaltes

Fall Lügde: Sonderermittlerin attestiert Jugendamt Hameln schwere Fehler

Nach dem massenhaften Missbrauch von Kindern im lippischen Lügde hat eine Sonderermittlerin dem Jugendamt im niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont schwere Fehler vorgeworfen.

Ihren Bericht, der vom Landkreis Hameln-Pyrmont selbst in Auftrag gegeben worden war, stellte die Ermittlerin am Mittwoch in dessen Jugendhilfeausschuss vor. Zwar kommt die Untersuchung zu dem Ergebnis, dass dem Landkreis kein strukturelles Versagen anzulasten ist. Eine ganze Reihe schwerer fachlicher Fehler habe aber dazu geführt, dass die Taten nicht verhindert wurden.

Eignung des Pflegevaters Andreas V. wurde nicht ausreichend überprüft

Das Jugendamt in Hameln hatte Andreas V., einem der Haupttäter von Lügde, trotz mehrerer Hinweise auf dessen sexuell übergriffiges Verhalten die Pflegschaft für ein Mädchen übertragen.

Mindestens vier Mal habe die Behörde in Hameln Hinweise auf die mangelnde Eignung des Pflegevaters sowie mögliche Pädophilie erhalten, denen nicht ordentlich nachgegangen wurden, heißt es in dem Bericht.

Mangelhafter Informationsaustausch

Auch Hinweise auf den Kontakt von Andreas V. zu weiteren Mädchen sei in Hameln-Pyrmont nicht angemessen aufgegriffen worden. Die Behörden hätten sich zwar mit der Situation befasst, aber lange Zeit nicht durchgegriffen.

Außerdem gab es demnach keinen ausreichenden Informationsaustausch im Jugendamt, Abläufe wurden nicht eingehalten, Vorgesetzte nicht informiert, und bei der Zusammenarbeit mit den Behörden im angrenzenden Lippe hakte es.

Mutter und Pflegekind nicht genug einbezogen

Auch bezogen die Behörden die Mutter nach Einschätzung der Sonderermittlerin nicht ausreichend ein und nahmen das Kind nicht im nötigen Umfang in Augenschein.

In Nordrhein-Westfalen versucht ein Untersuchungsausschuss des Landtags weiter aufzuklären, wie es zu dem hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lüdge kommen konnte, ohne dass Behörden auf die kriminellen Vorgänge aufmerksam wurden.

Stand: 10.09.2020, 04:46