Lügde: Ermittler sprechen über psychische Belastung

Prozessakten i FallLügde auf einem Tisch im Landgericht Detmold

Lügde: Ermittler sprechen über psychische Belastung

  • Ermittler sprechen über ihre Arbeit
  • Hohe psychische Belastung
  • Großer öffentlicher Druck

Das Urteil im Fall des hundertfachen sexuellen Kindesmissbrauchs in Lügde steht bevor - und damit enden auch bald die Ermittlungen. Am Donnerstag (29.08.2019) haben die Ermittler bei einem Pressegespräch im Polizeipräsidium Bielefeld über ihre Erfahrungen der vergangenen Monate berichtet.

"Man nimmt den Fall mit nach Hause"

So etwas wie Lügde hätten selbst erfahrene Ermittler in der Form noch nicht erlebt. "Man geht mit dem Fall nach Hause und steht damit auf. Ganz trennen konnte man das nicht", berichtete der stellvertretende Kommissionsleiter und Aktenführer, Norbert Freier.

Er und seine Kolleginnen und Kollegen mussten Unmengen an Bildern auswerten und Videos sichten, um festzustellen, welches Kind wann von wem missbraucht wurde.

Öffentlicher Druck für die Ermittler

Die Ermittlungskommission Eichwald war seit Anfang Februar 2019 im Einsatz, um den Missbrauch aufzuklären. Bis zu 80 Beamte arbeiteten an dem Fall, die teils noch nie zuvor zusammen gearbeitet hatten. Sie kamen aus ganz NRW nach Bielefeld - einige lebten in Hotels.

Die Umstände, das Leid so vieler Kinder, aber auch der öffentliche Druck habe die Beamten sehr belastet: "Das einzige, das uns motiviert hat: Dass den Kindern Gerechtigkeit widerfährt", sagte Freier.

Psychologische Hilfsangebote

Die ermittelnden Beamten hatten zu jeder Zeit die Möglichkeit, sich psychologische Hilfe zu holen. Trotz der immensen psychischen Belastung habe es keine Ausfälle in der Ermittlungskommission Eichwald gegeben, so Freier.

Am Freitag (30.08.2019) werden die Plädoyers am Landgericht Detmold gehalten. Am 5. September soll dort das Urteil gegen die beiden Angeklagten Andreas V. und Heiko V. fallen.

Stand: 29.08.2019, 18:14