Lügde-Prozess: Kinder haben immer noch Angst

Lügde-Prozess: Kinder haben immer noch Angst

  • Kinder fürchten sich weiterhin vor den Angeklagten
  • Gutachterin sieht Rückfallgefahr bei Mario S.
  • Andreas V. immer noch krank

Sechs Zeugen haben am Donnerstag (15.08.2019) im Fall um die Missbrauchsfälle in Lügde vor dem Landgericht in Detmold ausgesagt. Darunter ein Polizist, betroffene Kinder und Angehörige.

Noch am Tag selbst hat ein Mädchen abgesagt. Laut ihrer Anwältin könne sie bis heute mit niemandem über das Geschehene sprechen. Es bereite ihr Übelkeit und Angst.

Viele Betroffene leiden unter Alpträumen

Schon oft habe das Mädchen erwähnt, dass sie Angst habe, der "Adi" könne aus dem Gefängnis ausbrechen und zurückkommen. Sie leide unter Alpträumen, habe Probleme in der Schule und spiele mit keinen anderen Kindern außer ihrem Bruder.

Viele andere Opfer sagen aus ähnlichen Gründen von vornherein nicht vor Gericht aus - eine Aussage wäre für ihre Therapie nicht förderlich. Alle leiden unter permanenter Angst, dass ihre Familie und sie wieder in Gefahr geraten könnten.

Erste Vernehmungen der Kinder waren ungenügend

Einige der Kinder mussten zwei Mal von der Polizei vernommen werden. Auch darüber wurde vor Gericht gesprochen. Als Zeuge geladen war Norbert Freier, einer der zwei Ermittlungsleiter der Polizei Bielefeld.

Als seine Abteilung den Fall übernommen hatte, habe man feststellen müssen, dass die Akten unsortiert waren und die Vernehmungen nicht korrekt durchgeführt wurden. Freier berichtete von Suggestivfragen, die gestellt wurden, und anwesenden Personen, die die Kinder während der Vernehmung beeinflusst hätten.

Gutachten: Hohe Rückfallgefahr bei Mario S.

Nachdem alle Zeugen ausgesagt hatten, verlas Dr. Marianne Miller das psychiatrische Gutachten zu Mario S. Seit seinem 14. Lebensjahr sei seine Entwicklung dadurch geprägt, Kinder sexuell zu missbrauchen. In den Gesprächen mit der Psychologin habe sich der 34-Jährige unehrlich und empathielos gezeigt.

Obwohl er stets wusste, dass sein Handeln strafbar ist, habe er nicht damit aufgehört. Sie stellte bei ihm eine pädophile Störung fest und geht davon aus, dass eine hohe Rückfallgefahr besteht. Ob eine Therapie erfolgreich sein kann, könne sie zum heutigen Zeitpunkt nicht sagen. Nach Ansicht der Gutachterin ist Mario S. voll schuldfähig.

Andreas V. für restlichen Prozesstag beurlaubt

Andreas V. war vor einigen Wochen erkrankt, so dass die Verfahren kurzfristig abgetrennt werden mussten, um den Prozess nicht platzen zu lassen. Auch am Donnerstag, beim achten Prozesstag, musste der Angeklagte den Saal verlassen.

Inzwischen ist bekannt, dass Andreas V. eine Gürtelrose hat. Auf Antrag seines Verteidigers wurde er für die zweite Hälfte des Prozesstages beurlaubt.

Der Prozess wird am Freitag (16.08.2019) fortgesetzt. Ein Urteil wird Anfang September erwartet.

Stand: 15.08.2019, 16:03