Lügde-Prozess: Opfer sagt aus

Eingang des Amtsgerichts in Detmold

Lügde-Prozess: Opfer sagt aus

  • Missbrauchsopfer von Lügde im Zeugenstand
  • Gericht stellt Zeugen Aussage frei
  • Verfahren gegen Heiko V. abgetrennt

Im Prozess um den hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde haben am Freitag (28.06.2019) die ersten Zeugen vor dem Landgericht in Detmold ausgesagt. Die erste Zeugin war eine junge Frau, die inzwischen selbst Mutter ist.

Richterin weist Angeklagten zurecht

Gleich zu Beginn forderte ihre Anwältin, die Öffentlichkeit auszuschließen, die Angeklagten sollten aber nicht den Saal verlassen. Daraufhin bat der Verteidiger von Andreas V., eine Sichtschutzwand aufzustellen. Dies lehnte die Richterin aber ab - das Verfahren sei kein Wunschkonzert. Sie erlaubte dem Angeklagten, sich hinter einem Aktendeckel zu verstecken, aber: "Das soll er sich ruhig anhören", so Richterin Anke Grudda.

Zehnjähriges Mädchen sagt aus

Nach der jungen Frau und einer Freundin von ihr, sagten eines der betroffenen Kinder und ihre Mutter aus. Dazu mussten neben den Zuschauern dann auch die Angeklagten den Gerichtssaal verlassen. Die eigentliche Befragung dauerte für das zehnjährige Mädchen nur wenige Minuten. Dabei setzte sich die Richterin mit ihr und der Mutter an einen Tisch.

Der Anwalt des Mädchens, Roman von Alvensleben, sagte nach der Aussage: "Das hat die Frau Vorsitzende sehr gut gemacht. Sie fragte, was das Kind für Interessen hat und sie hat dann ein Gespräch angefangen. Dann war es natürlich auch leichter, die entsprechenden Fragen zu stellen".

Der Anwalt betonte außerdem, wie wichtig die Aussage für Mutter und Tochter war: "Ich glaube, das war ein großer Schritt, weil die Gefühlswelt sich jetzt verändert hat - jetzt kann man die Sache abschließen. Man hat ihr geglaubt, und es findet auch irgendwie ein Ende". Auch das sei ein Grund gewesen, warum man sich gemeinsam mit der Mutter und der psychosozialen Prozessbegleitung für die Aussage entschieden habe.

Die Opfer werden gehört, obwohl alle drei Angeklagten bereits am ersten Sitzungstag am Donnerstag (27.06.2019) überraschend Geständnisse abgelegt hatten. Die Hauptangeklagten Andreas V. (56) und Mario S. (34) räumten die Taten weitgehend ein. Der dritte Angeklagte, Heiko V. (49), gab über seinen Verteidiger die Vorwürfe zu.

Man wolle die Opfer bewusst befragen, um sich selbst ein umfassendes Bild zu machen, sagte Melanie Rüter, Sprecherin des Landgerichts. Außerdem wolle man den Missbrauchsopfern zeigen, dass das Gericht ihre Aussagen ernstnehme. Ob sie vor Gericht letztlich aussagen, bleibt ihnen aber weiterhin freigestellt.

Verfahren wird geteilt und wohl kürzer als gedacht

Neben der Aussage der Opfer bestimmte vor allem eine Entscheidung der Richterin den heutigen Verhandlungstag. Anke Grudda trennte das Verfahren gegen den Angeklagten Heiko V. ab.

Laut Verteidiger werde hier bereits am 17.07.2019 ein Urteil gesprochen - das Verfahren könnte damit kürzer werden als gedacht. Für den Anwalt erscheint eine Bewährungsstrafe realistisch. Heiko V. würde dann das Gericht als freier Mann verlassen.

Urteil gegen Heiko V. wird im Juli erwartet

Anders als bei den anderen Angeklagten wird Heiko V. vor allem vorgeworfen, die Taten über eine Webcam beobachtet sowie Bilder und Videos besessen zu haben. Hier wird das Urteil noch im Juli erwartet.

Bei den Ermittlungen im Missbrauchsfall von Lügde waren mehr als 40 Opfer identifiziert worden - angeklagt sind sexuelle Gewalttaten gegen 34 Minderjährige.

Stand: 28.06.2019, 16:40

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