Fall Lügde: Was jetzt juristisch und politisch folgt

NRW-Opferschutzbeauftragte in Lügde

Fall Lügde: Was jetzt juristisch und politisch folgt

  • Wie verlief der Lügde-Prozess?
  • Wie geht die juristische Aufklärung weiter?
  • Wie wird der Fall politisch aufgearbeitet?

Wie verlief der Prozess?

Am 27. Juni 2019 begann vor dem Landgericht Detmold der Prozess um Kindesmissbrauch in mehr als 450 Fällen auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde-Elbrinxen. Verhandelt wurde an zehn Tagen. Angeklagt waren drei Männer. Den Hauptangeklagten Andreas V. aus Lügde und Mario S. aus Steinheim wird unter anderem sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen, schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und Besitz kinderpornografischen Materials vorgeworfen.

Der Lügde-Prozess geht dem Ende entgegen

WDR aktuell - Der Tag 30.08.2019 10:08 Min. Verfügbar bis 29.08.2020 WDR 3

Download

Andreas V. drohen 14 Jahre Haft, Mario S. zwölfeinhalb - und beiden zudem Sicherungsverwahrung. Die Urteile sollen am 5. September gefällt werden. Laut Staatsanwaltschaft wurden die Taten zwischen 1999 und 2019 begangen. Alle drei Angeklagten legten zum Prozessauftakt Geständnisse ab. 34 Kinder wurden als Opfer identifiziert. Sie waren zur Tatzeit zwischen vier und 13 Jahre alt.

Das Verfahren gegen den dritten Angeklagten Heiko V. aus dem niedersächsischen Stade war abgetrennt worden. Er wurde zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 3.000 Euro verurteilt. Er hatte in vier Fällen per Webcam den sexuellen Missbrauch eines Kindes beobachtet und einen Mitangeklagten angestiftet. Die Staatsanwaltschaft stellte Antrag auf Revision.

Wie geht die juristische Aufklärung weiter?

Die Polizei ermittelt auch noch gegen einen 57-Jährigen aus Steinheim wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs. Der Mann besitzt eine Parzelle auf dem Campingplatz in Lügde. Er war erst durch die Vernehmung eines Opfers in den Fokus der Ermittler geraten.

Der zuständige Oberstaatsanwalt Ralf Vetter hielt schon vor Prozessbeginn ein weiteres Verfahren wegen der "Unmenge an Spuren und Hinweise auf mögliche weitere Taten und Tatorte" für möglich.

Wie wird der Fall politisch aufgearbeitet?

Der lange unentdeckt gebliebene Kindesmissbrauch in Lügde gilt wegen polizeilicher Ermittlungspannen und Behördenversagens als einer der größten Skandale der vergangenen Jahre. Unter anderem verschwand bei der Polizei Lippe Beweismaterial. Auch das Verhalten von Jugendämtern im Tatzeitraum wurde scharf kritisiert.

Politiker wollen daraus grundlegende Konsequenzen ziehen. Der NRW-Landtag hat einen Untersuchungsausschuss eingesetzt. Die Landesregierung will, dass Polizei und Jugendämter künftig besser auf Missbrauchsfälle reagieren.

Um die Strafverfolgung solcher Fälle zu professionalisieren, hat NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) die neue Stabstelle Kindesmissbrauch eingerichtet. Sie ist ihm direkt unterstellt.

Stand: 30.08.2019, 17:07