Missbrauchsfall Lügde: Anklage gegen 48-Jährigen erhoben

Missbrauchsfall Lügde: Anklage gegen 48-Jährigen erhoben

  • Staatsanwaltschaft Niedersachsen erhebt Anklage
  • Missbrauch an sieben Kindern
  • 32 weitere mutmaßliche Täter identifiziert

In Niedersachsen hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag (04.08.2020) Anklage gegen einen 48-jährigen mutmaßlichen Sexualverbrecher aus Niedersachsen erhoben. Ihm wird schwerer sexueller Missbrauch und Vergewaltigung vorgeworfen. Nach Angaben der Ermittler steht der Fall in Zusammenhang mit dem hundertfachen Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde.

Taten vermutlich nicht in Lügde begangen

Entdeckt wurde der Mann bei den Ermittlungen der Fälle in Lügde. Die ihm zur Last gelegten Verbrechen beging er nach Angabe der Staatsanwaltschaft unabhängig von den Geschehnissen in Lügde in seinem eigenen unmittelbaren Umfeld. Er soll sieben Kinder missbraucht haben - alle in seinem Heimatkreis Northeim. Nach Recherchen von NDR/WDR und Süddeutscher Zeitung ist unter den mutmaßlichen Opfern auch ein Mädchen, das bereits von Andreas V. auf dem Campingplatz in Lügde missbraucht worden war.​

Bekanntschaft mit Lügde-Haupttäter

Der Mann war ein Bekannter des Lügde-Haupttäters Andreas V. Die beiden sollen sich auch persönlich getroffen haben, sagt die Staatsanwatschaft Göttingen - und hätten sich dabei über Vorlieben und Neigungen ausgetauscht. Die Ermittler fanden bei dem Beschuldigten eine große Menge an Bildern und Videos, die auch seine Gewalttaten zeigen sollen. Über Online-Portale und Chatnachrichten habe er sich mit anderen Pädo-Sexuellen ausgetauscht.

Umfangreiches pornografisches Material

Laut Anklage besaß der 48-Jährige auch eine umfangreiche Sammlung kinderpornografischen Materials und tauschte sich im Internet in Chats mit anderen Pädokriminellen aus. Insgesamt handle es sich bei den meisten der Verdächtigen in dem Northeimer Ermittlungskomplex um professionell agierende Täter, die Pseudonyme und Fakeprofile nutzten, hieß es weiter. Die Sonderkommission ermittelt weiterhin.

130 Verfahren und 32 weitere mutmaßliche Täter

Der Angeklagte sitzt seit März 2020 in Untersuchungshaft. Eine 24-köpfige Sonderkommission der Polizei ermittelt. Sie identifizierte neben diesem noch 32 weitere mutmaßliche Täter und leitete 130 Verfahren wegen Missbrauchs, Vergewaltigung und Besitzes kinderpornografischer Schriften ein.

Der Kindesmissbrauch auf dem Campingplatz in Lügde war einer von mehreren pädokriminellen Verbrechenskomplexen, die seit 2019 in Nordrhein-Westfalen entdeckt wurde. In Bergisch Gladbach und Münster wurden weitere Netzwerke enttarnt. Dabei stellte sich heraus, dass Täter etwa per Internet große Netze bildeten.

Stand: 04.08.2020, 20:15