Missbrauch in Lügde: Landrat will mögliche Fehler prüfen

Der Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels, sitzt bei der Pressekonferenz zu den Missbrauchsfällen in Lügde auf dem Podium

Missbrauch in Lügde: Landrat will mögliche Fehler prüfen

Von Markus Rinke

  • Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont äußert sich zu Lügde
  • Jugendamt habe "umsichtig und richtig" gehandelt
  • Pflegschaft des mutmaßlichen Haupttäters wurde überprüft

Der Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), hat sich am Dienstag (05.02.2019) zu den Missbrauchsfällen in Lügde geäußert. Dabei ging es vor allem um ein Pflegekind, das in Obhut eines Hauptverdächtigen auf dem Campingplatz in Lügde lebte. Das Jugendamt Hameln-Pyrmont hatte der Pflegschaft auf Bitten der Mutter aus Hameln zugestimmt.

Bartels sagte, dass man intensiv prüfen werde, ob Fehler von der eigenen Behörde gemacht wurden. Derzeit sehe er keine eigenen Fehler. "Wenn wir wirklich Fehler gemacht haben, dann stehen wir dazu. Aber solange ich das nicht weiß, werde ich hier niemanden präventiv ausliefern."

Auch ob es bereits im Jahr 2016 Hinweise auf Kindesmissbrauch gegeben habe, bestätigte der Landrat nicht. Aussagen wie „sie macht mich heiß“ seien ihm nicht bekannt. Man habe den Fall damals "aufgrund des Bildes, das sich uns dargestellt hat", beurteilt.

Verwahrlosung sei kein Hinweis auf Missbrauch

Detailliert ging der Landrat dagegen auf die Zustände auf dem Campingplatz in Lügde ein. „Ich kann verstehen, dass man erschreckt ist, und es nicht sein kann, dass da ein Kind untergebracht ist“, sagte Bartels. Das sei aber Realität für die Mitarbeiter des Jugendamts, die schwierige Familienverhältnisse begleiten würden. Das seien Wohnungen, die man sich nicht vorstellen könne. Die Mitarbeiter hätten die Aufgabe, Hilfe zu leisten.

Im konkreten Fall des mutmaßlichen Täters sei die Pflegschaft über sieben Monate geprüft worden. „Wir haben gesehen, dass das grenzwertig ist, aber die Situation habe sich im Laufe der Zeit gebessert." Da klar war, dass die Verhältnisse schwierig sind, sei die Pflegschaft mit wöchentlichen Besuchen begleitet worden. In dem Zusammenhang habe es keine Hinweise auf Missbrauch gegeben.

Zusätzliche Fachkraft soll Missbrauch besser erkennen

Als Konsequenz aus dem Fall in Lügde will der Landkreis Hameln-Pyrmont die Strukturen im Haus überprüfen. Außerdem soll eine zusätzliche Stelle geschaffen werden. Die Verwaltung habe zwar geschultes Personal, benötige aber mehr, sagte der Landrat. Auch in den Schulen sollen mehr Vertrauenslehrer eingesetzt werden.

„Ich verneige mich im Namen des ganzen Hauses und vor allem im Namen der Mitarbeiter des Jugendamtes mit Respekt vor den fast 30 Kindern“, sagte der Landrat. 

Stand: 05.02.2019, 12:55