Lügde: Neuer Haftbefehl für Hauptangeklagten

Lügde Hauptverdächtiger kommt über Hintereingang bei Gericht an

Lügde: Neuer Haftbefehl für Hauptangeklagten

  • Neuer Haftbefehl gegen Hauptangeklagten
  • Konkrete Vorwürfe in Anklageschrift
  • Auch Anklage gegen Mario S. erhoben

Im Fall des vielfachen Missbrauchs von Lügde im Kreis Lippe ist dem Hauptangeklagten Andreas V. am Donnerstag (23.05.2019) vom Landgericht Detmold ein neuer Haftbefehl verkündet worden. Das bestätigt das Landgericht Detmold.

Frist für U-Haft würde auslaufen

Der Hauptangeklagte sitzt seit dem 6. Dezember im Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hatte den neuen Haftprüfungstermin beantragt, um die Dauer der Untersuchungshaft über sechs Monate hinaus zu verlängern. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass der 56-Jährige vor Prozessbeginn auf freien Fuß kommen könnte.

Detaillierte Vorwürfe in neuem Haftbefehl

In dem neuen Haftbefehl werden die Vorwürfe gegen den Angeklagten aus Lügde konkretisiert. Die Staatsanwaltschaft Detmold wirft Andreas V. in insgesamt 293 Fällen insbesondere sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauch von Kindern sowie den Besitz von kinderpornographischen Schriften vor. In den meisten Fällen soll der 56-Jährige aus Lügde an zehn verschiedenen Kindern den Beischlaf vollzogen oder ähnliche sexuelle Handlungen an diesen vorgenommen haben.

Haftprüfung im Missbrauchsfall Lügde Lokalzeit OWL 23.05.2019 Verfügbar bis 23.05.2020 WDR Von Oliver Köhler

Ermittler sollen Einzeltaten geschätzt haben

Um sich der Zahl der einzelnen Taten möglichst genau zu nähern, sollen die Ermittler sie nach Recherchen von WDR und NDR aufgrund der Zeugenaussagen und Tatzeiträume geschätzt haben. Im Fall der Pflegetochter des Hauptbeschuldigten gehen sie offenbar von mindestens einer Tat pro Woche aus. Laut Recherchen von WDR und NDR sollen dutzende Fotos gefunden worden sein, die zeigen, dass sich Andreas V. an ihr vergangen hat.

Pflegetochter soll Lockvogel gewesen sein

Um Zeit mit anderen Kindern verbringen zu können, soll der 56-Jährige die Pflegetochter als eine Art "Lockvogel" benutzt haben. Nach Informationen von WDR und NDR soll ein Schreiben gefunden worden sein, dass sich an die Mutter einer Kindergartenfreundin richtet. Dabei soll er sich als seine Pflegetochter ausgegeben haben. Er soll in ihrem Namen von den Freizeitaktivitäten mit ihm geschwärmt und den Wunsch formuliert haben, diese gemeinsam mit der Freundin erleben zu können.

Anklage gegen Mario S. erhoben

Am Donnerstag (23.05.2019) hat die Staatsanwaltschaft Detmold Anklage gegen einen weiteren Beschuldigten, Mario S., erhoben, bestätigt das Landgericht Detmold. Der 34-Jährige sitzt seit dem 11. Januar 2019 in U-Haft. Das Landgericht hat bislang 16 mutmaßliche Betroffene als Nebenkläger zugelassen. Sie werden in der Hauptverhandlung von neun Rechtsanwälten vertreten. Der Prozess könnte, sollten alle Beteiligten dem Termin zustimmen, am 27. Juni beginnen.

Missbrauchsfall Lügde: SPD fordert Kinderschutzkommission

WDR 5 Morgenecho - Interview 22.05.2019 05:09 Min. Verfügbar bis 21.05.2020 WDR 5

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Stand: 23.05.2019, 15:54