Missbrauchsfall Lügde: 17-Jähriger steht vor Gericht

Prozessakten i FallLügde auf einem Tisch im Landgericht Detmold

Missbrauchsfall Lügde: 17-Jähriger steht vor Gericht

Von Markus Rinke

  • 17-Jähriger soll drei Kinder missbraucht haben
  • Er war selbst Opfer vom Verurteilten Mario S.
  • Verteidigung hofft auf Bewährungsstrafe

Das Landgericht Paderborn verhandelt ab Donnerstag (10.10.2019) unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen einen 17-Jährigen wegen sexueller Übergriffe.

Der Junge war selbst ein Opfer von Mario S., der Anfang September 2019 zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Mario S. hatte ihn in einem Baumarkt, auf dem Campingplatz und in einem Keller missbraucht. "Wir reden da über die schlimmstmögliche Art, wie ein Kind missbraucht werden kann", so Verteidiger Thorsten Fust.

Vom Opfer zum Täter

Rechtsanwalt Thorsten Fust

Anwalt Thorsten Fust fordert Bewährung

Nach Aussagen von Fust habe sein Mandant das System so verinnerlicht, dass er selbst zum Täter wurde: "Er hat Sachen als normal empfunden, die dann dort weitergelebt wurden." Der Angeklagte soll im Alter von 14 bis 16 Jahren drei Kinder missbraucht haben. Er war also bereits strafmündig, die anderen Kinder dagegen nicht.

Angeklagter habe aus freien Stücken gestanden

Aufgefallen sind die Taten, weil der Jugendliche der Polizei während der Ermittlungen in Lügde davon erzählt hatte. "Der Angeklagte ist dort als Zeuge vernommen worden und hat dann im Anschluss aus freien Stücken auch Angaben zu den Taten gemacht, die ihm hier heute vorgeworfen werden", so Gerichtssprecher Oliver Neuwinger.

Daraufhin kam der damals 16-Jährige zunächst in Haft, ist aber jetzt in einer sogenannten Jugendanstalt untergebracht.

Bewährungsstrafe und Therapie?

Vor dem Landgericht wurde am Donnerstag (10.10.2019) zunächst nur die Anklage verlesen. Der Prozess wird am 24.10.2019 fortgesetzt. Da der Verteidiger ein Geständnis angekündigt hat, ist fraglich. ob Zeugen verhört werden müssen. Thorsten Fust hofft auf ein schnelles Ende des Verfahrens mit einer Bewährungsstrafe: "Er hat hier reinen Tisch gemacht und wir hoffen, dass sein Hilferuf gehört wird." Dann könnte sein Mandant seine Therapie fortsetzen.

Stand: 10.10.2019, 10:50