Lügde: Mussten Kinder andere Kinder missbrauchen?

Polizeiabsperrung auf dem Campinpgplatz Lügde

Lügde: Mussten Kinder andere Kinder missbrauchen?

  • Anwalt: Mussten Kinder andere Kinder missbrauchen?
  • Anklage: 400 Fälle von sexuellem Missbrauch bei 21 Kindern
  • Anklage gegen Beschuldigte voraussichtlich diese Woche

Auf dem Campingplatz in Lügde sollen Kinder gezwungen worden sein, vor laufender Kamera andere Kinder zu missbrauchen. Anwalt Peter Wüller aus Bielefeld vertritt vier Opfer als Nebenkläger und berichtet dem WDR von "unvorstellbaren" Details.

Laut Rheinischer Post umfasst die Anklage rund 300 Fälle von sexuellem Missbrauch, davon etwa 230 schwere Fälle. 21 Kinder und Jugendliche würden in der Anklageschrift als Betroffene genannt.

Akteneinsicht soll unvorstellbare Details offenbaren

Im Missbrauchsfall von Lügde haben die Verteidiger und Opferanwälte am Wochenende Einsicht in die Ermittlungsakte bekommen. Die Akte für die Staatsanwaltschaft umfasst über 1.000 Seiten. Die Opfer sollen teilweise so jung gewesen sein, dass sie sich noch nicht einmal alleine die Schuhe zubinden konnten. Nach Aussage der Kinder sollen die mutmaßlichen Täter sie gezwungen haben, sexuelle Handlungen an anderen Kindern vorzunehmen. Der Hauptbeschuldigte soll die Taten gefilmt haben.

Müssen Kinder vor Gericht aussagen?

Opferanwalt Peter Wüller hofft, dass die Kinder nicht vor Gericht aussagen müssen: "Wenn die späteren Angeklagten die Taten, die man ihnen vorwirft, zugeben, bedarf es nicht mehr der Vernehmung der einzelnen Kinder. Wir müssen alles daran setzen, dass die Kinder nicht in der Hauptverhandlung als Zeugen vernommen werden."

Anklage noch diese Woche möglich

NRW-Opferschutzbeauftragte in Lügde

Auf dem Campingplatz in Lügde sollen mehr als 40 Kinder sexuell missbraucht worden sein.

Laut Akte wird dem Hauptbeschuldigten Andreas V. der Missbrauch an 28 Opfern zur Last gelegt. 18 Opfer soll sein Komplize Mario S. missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft Detmold wird voraussichtlich bis zum 17.05.2019 Anklage erheben. Wenn die mutmaßlichen Opfer die Aussagen, die sich aus der Akte ergeben, wiederholen, reiche das für Haftstrafen zwischen zwölf und 14 Jahren, schätzt der Anwalt. Auch eine Sicherungsverwahrung sei nicht auszuschließen.

Derweil will die nordrhein-westfälische Landesregierung die Zahl der Ermittler gegen Kinderpornografie im Landeskriminalamt (LKA) deutlich erhöhen: von zwölf auf 32. Das berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" am Montag (13.05.2019).

Die Stellenausweitung habe Innenminister Herbert Reul (CDU) bereits im Herbst 2018 angeordnet, also vor Bekanntwerden des Missbrauchsskandals von Lügde, sagte ein Ministeriumssprecher der Zeitung.

Stand: 14.05.2019, 17:17

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