Missbrauch in Lüdenscheid: Kirche ermittelt nach Tod des Tatverdächtigen weiter

Schild vor dem Gebäude Evangelischer Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg

Missbrauch in Lüdenscheid: Kirche ermittelt nach Tod des Tatverdächtigen weiter

Die Ermittlungen rund um den mutmaßlichen Missbrauch in einer Jugendgruppe im Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg sind nach dem Tod des Beschuldigten nicht beendet.

Die jetzt bekannt gewordene sexualisierte Gewalt gegen fünf Jungen durch einen Betreuer der Evangelischen Gemeinde Lüdenscheid-Brügge vor etwa 30 Jahren, wird auch nach dessen Tod weiter vom Kirchenkreis untersucht. Das wurde bei einer Gemeindesitzung am Sonntag bekanntgegeben.

"Es gibt zwar nun keinen Verdächtigen mehr, aber es gibt weiterhin diesen Fall", sagte der Leiter des eingerichteten Krisenstabes, Pastor Alfred Hammer, am Sonntag in Lüdenscheid. Nach seinen Worten wird das kirchliche Krisengremium mehrere Monate mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle beschäftigt sein.

Es gelte Hilfsangebote für die Betroffenen, aber auch für besorgte Eltern und andere Ratsuchende in der ehrenamtlichen Jugendarbeit der Kirchengemeinde in Lüdenscheid-Brügge zu organisieren und zu koordinieren, sagte der frühere Superintendent. "Aufklärung und Zuwendung sollen in den nächsten Monaten im Fokus stehen", so Hammer.

Tatverdächtiger in Wohnung tot aufgefunden

Der Tatverdächtige, gegen den Polizei und Staatsanwaltschaft wegen sexualisierter Gewalt im Umfeld einer christlichen Jugendorganisation ermittelt haben, war am Donnerstag tot aufgefunden worden. Hinweise auf eine Fremdeinwirkung gebe es bisher nicht, teilt die Polizei mit.

Ermittlungen gegen ehrenamtlichen Mitarbeiter

Ende Juli hatten sich fünf mutmaßliche Opfer bei der Beratungsstelle der Evangelischen Kirche in Bielefeld gemeldet. Daraufhin begannen die Ermittlungen der Polizei. Der Tatverdächtige erhielt von der Kirchengemeinde Lüdenscheid-Brügge Hausverbot und musste alle Schlüssel abgeben.

Er war mehr als 30 Jahre dort als Jugendhelfer tätig und betreute viele Jugendfreizeiten. Davor war er beim CVJM Lüdenscheid-West tätig. Der Kirchenkreis hat einen Krisenstab eingerichtet. Darin auch die Beauftrage für Missbrauchsopfer der Evangelischen Kirche Westfalen.

Missbrauchs-Beauftragte im Krisenstab

In einer Gemeindesitzung am Sonntag zeigten sich viele Mitglieder betroffen und schockiert. Der Krisenstab will jetzt unter anderem untersuchen, ob es Versäumnisse seitens der Verantwortlichen gegeben hat. Warum sich die Betroffenen jetzt an die Kirche wandten sei eine Mischung aus Scham und Angst gewesen, sagte der Leiter des Krisenstabes, Alfred Hammer, im WDR-Interview. Das nächsten Treffen des Krisenstabes ist am Dienstag.

Stand: 30.08.2020, 20:03