Sperrung der A45-Brücke: Lüdenscheid erstickt im Verkehr

Verkehrchaos in Lüdenscheid

Sperrung der A45-Brücke: Lüdenscheid erstickt im Verkehr

Von Luca Benincasa

Tausende Lkw und Autos können wegen der maroden Rahmedebrücke einen wichtigen Teil der A45 nicht mehr befahren. Die Umleitung führt den Verkehr nun durch Lüdenscheid.

Ein nicht enden wollender Zug an roten Bremslichtern schlängelt sich auf Lüdenscheid zu. Schon bald folgen Momente, in denen die Schrittgeschwindigkeit überschritten wird, nur um dann wieder zum Stehen zu kommen. Schon am frühen Morgen "Stop and Go" auf der Autobahn 45.

Nachdem bekannt wurde, dass die marode Rahmedebrücke abgerissen werden muss, ist klar: Die wichtigste Verkehrsachse zwischen Ruhrgebiet und dem Süden Deutschlands bleibt über Jahre gekappt. Der Verkehr führt jetzt durch Lüdenscheid.

Der Verkehr nagt an Existenzen

Eine Anwohnerin trifft die Verkehrssituation besonders hart. Ihr kleines Geschäft für Brautmode befindet sich direkt an der Lennestraße. Jene ist Teil der Umleitung, auf der tausende Fahrzeuge unweigerlich die gesperrte Rahmedebrücke umfahren müssen. Der Lärm der Kolonnen sei unerträglich, erzählt die Anwohnerin. Nachts finden sie und ihr Mann nicht mehr in den Schlaf.

Verkehrschaos in Lüdenscheid

Lkw blockieren Lüdenscheids Straßen

Noch schlimmer ist für sie aber ihre wirtschaftliche Situation. Wegen der Coronapandemie blieben viele Kunden aus. Jetzt, wo alle Zufahrten zu ihrem Geschäft rund um die Uhr verstopft sind, würden noch mehr Menschen ihre Brautkleider woanders kaufen. "Nach über zehn Jahren überlege ich mir umzuziehen." Wie lange sie das Geschäft noch aufrecht erhalten kann, weiß sie nicht.

Unverständnis, Ärger und Frustration

Menschen, die die gesperrte Brücke nicht tangiert, scheint es kaum zu geben. Fast jeder kennt jemanden, der betroffen ist. Entweder als Pendler oder Anwohner. Noch scheinen viele die Nachricht über den Abriss der Brücke nicht akzeptiert zu haben.

Verkehrschaos in Lüdenscheid

Verkehrschaos in Lüdenscheid

Unverständnis, Ärger und Frustration mischen sich unter die Fragen der Menschen rund um Lüdenscheid. Wer ist für die Versäumnisse verantwortlich? Werden die Anwohner entschädigt? Wann herrscht wieder Normalität? Ohne Zweifel gibt es in dieser Hinsicht viel Optimierungs- und noch mehr Diskussionsbedarf. Und ein Ende von Lärm, Abgasen und der roten Bremslichter rund um Lüdenscheid ist nicht in Sicht.

Keine Sonderrechte für Neubau

Das Bundesverkehrsministerium will für den Neubau der Rahmede-Brücke auf der A45 keine Sonderrechte einräumen. "Die aktuelle Rechtslage reiche aus", schreibt das Ministerium in einer Stellungnahme an den Verkehrsausschuss des Bundestages. In der Region hatten viele gehofft, dass nach einem Jahr Genehmigung und Planung plus zwei Jahren Bauzeit eine neue Brücke dort könnte.

Dafür hätten aber Gesetze geändert oder vielleicht sogar ein neues erlassen werden müssen. Das will das Bundesverkehrsministerium nicht. Es sei schon jetzt möglich auf eine umfassende Genehmigung zu verzichten oder auch auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung. All das werde derzeit geprüft. Zur Bauzeit sagt das Ministerium nichts. Die Autobahngesellschaft Westfalen geht bislang von fünf Jahren aus.

A45-Sperrung: "Region hält Zustand nicht lange aus"

WDR 5 Morgenecho - Interview 12.01.2022 05:25 Min. Verfügbar bis 12.01.2023 WDR 5


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Stand: 11.01.2022, 16:25