Long Covid: Ohne Diagnose keine Reha

Long Covid: Ohne Diagnose keine Reha 03:18 Min. Verfügbar bis 10.06.2022

Long Covid: Ohne Diagnose keine Reha

Von Claudia Roelvinck

Jennifer Norris aus Lüdenscheid ist seit fast anderthalb Jahren krank. Sie ist sicher, dass es die Spätfolgen einer der ersten Coronainfektionen im Sauerland sind. Eine Diagnose hat sie damals nicht bekommen, das Virus war offiziell noch nicht angekommen. Heute bekommt sie keine Reha, weil die Diagnose von damals fehlt.

Im Februar 2020 hat es Familie Norris erwischt. Zuerst die beiden Söhne, dann auch Mutter Jennifer. Eine starke Erkältung, dachten sie. Die Symptome: Tagelanges Fieber, extreme Müdigkeit und schließlich ein Gefühl, "als habe man mir einen Zementsack auf den Brustkorb gelegt", so beschreibt es die 36-Jährige.

Es kamen zwar die ersten Nachrichten, dass das Coronavirus offenbar auch Deutschland erreicht hatte. Im Sauerland war es bis dahin allerdings kein Thema. Die Ärzte verschrieben und empfahlen das, was normalerweise bei schweren Erkältungen hilft.

Erkältungs-Medikamente halfen nicht

Jennifer Norris hält Kamera

Kamera halten ist Höchstleistung

Doch alle Medikamente und Bettruhe halfen Jenny Norris nicht. Wochenlang war sie schwach und kurzatmig, hatte Herzrasen und Schweißausbrüche. Selbst Alltägliches wie die Spülmaschine ausräumen oder ein kurzer Gang mit den Hunden fühlten sich an wie eine sportliche Höchstleistung.

Jenny Norris verlor nach eigenen Angaben den Geschmackssinn, ihre Augen sind bis heute extrem lichtempfindlich, oft kann sie sich nicht konzentrieren. Auch die Stimme macht Schwierigkeiten – in ihrer Band kann sie nicht mehr singen, weil sie manche Töne nicht mehr trifft.

Bis heute Spätfolgen, aber kein Beweis

Auch ihre elf und 14 Jahre alten Söhne sind noch immer angeschlagen. Als Jenny Norris nach vielen vergeblichen Arztbesuchen und eigenen Recherchen im Internet herausfindet, dass sie möglicherweise unter den Langzeitfolgen einer nicht erkannten Corona-Erkrankung leidet, ist es zu spät.

Antikörper, die eine durchgemachte Covid-Infektion beweisen, lassen sich viele Monate später in aller Regel nicht mehr feststellen. Genau das ist jetzt ein Problem.

Therapien nur bei "bewiesenen" Infektionen

Jenny Norris könnte zwar eine Therapie für die angeschlagene Lunge bekommen. Oder eine für das angegriffene Herz. Oder eine für die allgemeine Schwäche, die Augen, den Geschmackssinn. Aber für eine echte Long-Covid-Reha, die alle Facetten umfasst, bräuchte sie eine Covid-Diagnose.

Inzwischen hat die Lüdenscheiderin eine Selbsthilfegruppe gegründet. 150 Menschen haben sich innerhalb kurzer Zeit bei ihr gemeldet.

Stand: 10.06.2021, 07:03